Archiv für die Kategorie ‘Top 100’

Meine Top 100…

August 19, 2009

… sind jetzt tatsächlich mal fertig geworden. Wie bereits vor ein paar Wochen angekündigt gibt es keine Reihenfolge hinter den ersten zehn, Kurzrezensionen für die einzelnen Filme werden von mir peu a peu ergänzt. Möglich ist, dass ich noch ein paar interessante Links ergänze – so sich denn welche aufdrängen…

Nur so nebenbei sei nochmal erwähnt, dass es sich um eine persönliche Liste handelt, die nur meinen Geschmack darstellt und sonst nix. Filmgeschichtlich gesehen müsste sicher eher „Star Wars“ dabei sein als „Beautiful Girls“, aber darum geht es nicht – schließlich fand ich „Star Wars“ immer lame, kann mir aber „Beautiful Girls“ immer wieder angucken.

Hier also endlich die komplette Liste mit ein paar Anmerkungen…

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Von wegen „Top 100″…

Juli 23, 2009

Tach auch! Nachdem hier in letzter Zeit mit den Top 100 nicht viel los wahr krieche ich mal zu Kreuze. Die ganze Sache ist arg ins Stocken geraten, unter anderem weil es schwer fällt eine endgültige Auswahl zu treffen. Und weil ich mir einige Film noch mal wieder ansehen müsste, um zu entscheiden, ob sie nun drin sind oder draußen. Das wiederum ist nicht so sonderlich realistisch, weil sehr aufwändig.

Und vor allem: der an mich herangetragene Wunsch, ALLE Filme in eine Reihenfolge zu bringen, ist vom Tisch. Ich war immer skeptisch, wie sich mein persönlich 82. liebster Film ALLER ZEITEN von der Nr. 83 unterscheiden soll. Fakt ist, daß das entweder nicht geht, oder ich das nicht kann. Oder nicht will. Wie also vorgehen?

Die bereits veröffentlichten Kurzkritiken bleiben wo sie sind und über den Tag „Top 100″ abrufbar. Konzentrieren werde ich mich nun aber auf eine reine Liste, die tatsächlich mal übersichtlich über meine absoluten Favoriten Auskunft gibt. Die Liste wird trotzdem unterteilt – und zwar  in meine Top 10 Lieblingsfilme, und 90 weitere. Das wiederum ist dann hoffentlich ausreichend geeignet, meine Favoriten zu präsentieren, ohne entscheiden zu müssen, ob „North By Northwest“ besser ist als „Vertigo“. Und wenn ja, um wieviel Plätze.

Die Liste wird immer noch sehr persönlich sein, schon weil ich nicht alle Klassiker gesehen habe und das Prinzip „persönlicher Lieblingsfilm“ eben auch Filme beinhaltet, die nach (wie auch immer gearteten) formalen Kriterien keine Rolle spielen würden. So ist etwa „Star Wars“ ohne Frage einer der einflussreichsten Filme überhaupt, hat mir aber eben nie viel Spaß gemacht…

Also, Ende nächster Woche ist realistisch. Im Kino ist ja grad eh nicht viel los. „Harry Otten“ läuft in allen Säalen, nächster Neustart von Interesse ist Anfang August „Public Enemies“. Bis dahin sollte ich über die Plätze 95 bis 105 entschieden haben!

Match Point (Top-100)

Juli 7, 2009

Soviel ich weiss waren die Kritiken zu „Match Point“ in England nicht so sonderlich positiv. So offensichtlich, wie der Film das Land als kaltherzige Klassengesellschaft darstellt, so verständlich ist die Ablehnung dieser Sichtweise in „Cool Britannia“. Unabhängig davon, wieviel allgemeingültige Wahrheit nun im Spiel ist, kann man „Match Point“ mit etwas Abstand sehr viel entspannter betrachten. Arm und reich gibt es ja nicht nur in den UK, sondern überall.

Der Kontrast zwischen spartanischer, völlig überteuerter Mietwohnung und dekadentem Landsitz dient Woody Allen hier als wunderbare Kulisse für eine Story, die klassisches Drama um Liebe, Verrat und Mord in die Gegenwart transportiert. Untypisch für einen Woody-Allen-Film setzt „Match Point“ weniger auf Humor als auf erotisch aufgeladene Spannung und Ambivalenz, und erzählt seine Geschichte als moderne Parabel auf das ewig andauernde Streben nach Wohlstand und Glück – bei dem zuweilen einige wichtige Entscheidungen zu fällen sind. Als Schlusswort hier der erste Satz des Off-Kommentars am Anfang: „The man who said ‘I’d rather be lucky than good’ saw deeply into life.“

Dr. Strangelove (Top-100)

Juni 28, 2009

Stanley Kubrick ist sicher eher bekannt für „2001″ oder auch „Full Metal Jacket“, aber einen seiner ganz großen Filme hat er schon 1962 gedreht: „Dr. Seltsam“ (deutscher Titel), eine bitterböse Farce über den Kalten Krieg und den militärische Größenwahn, der mit ihm einher ging. Ein Bomber der Amerikaner ist auf das Kommando des durchgeknallten Generals Ripper auf dem besten Weg dahin, eine Atombombe auf die UDSSR zu schmeißen. Der US-Präsident (Peter Sellers in seiner drei Rollen im Film) ist ‘not amused’ und beordert seinen Kommandostab in den ‘War Room’. Ein Telefonat mit dem Boss der Sowjets (nur Dimitiri genannt) gerät zwar zu einem Fest der Nächstenliebe, kann aber nicht davon ablenken, dass die Sowjets eine automatische Vergeltung starten würden, die den Planeten Erde zerstören würde.

Letzte Hoffnungen ruhen auf „Dr. Strangelove“ höchstselbst, einem durchgeknallten Wissenschaftler und Ex-Nazi (wiederum gespielt von Sellers), der im ‘War Room’ seinen großen Auftritt hat. Parallel kämpft Captain Mandrake (Sellers zum dritten) darum, Gen. Ripper doch noch von seinem Plan abzubringen. Kubricks Film ist auch und gerade aus heutiger Sicht ein Geniestreich. Das Gleichgewicht des Schreckens zweier Atommächte wird als Tanz auf dem Vulkan gezeigt, bei dem schon kleinere Fehlerchen und menschliche Schwächen ganz nebenbei für das Ende der Welt sorgen können. Auch das Publikum in den 60ern wusste die Farce bereits zu schätzen, der Film lief kurz nach der Kuba-Krise an und sorgte mit seinem Erfolg für die finanzielle Grundlage, die es Kubrick erlaubte, sich bei seinen Filmen nie wieder von Studios reinreden lassen zu müssen.

Silence of the Lambs (Top-100)

Juni 20, 2009

Es gibt Rollen, die werden Schauspieler nicht mehr los. Anthony Hopkins ist jedenfalls schon vor diesem Film ein hervorragender Schauspieler gewesen, aber durch „Das Schweigen der Lämmer“ wurde er als Hannibal Lecter unsterblich und zum vielleicht bekanntesten Bösewicht des modernen Kinos. Jonathan Demmes Film von 1991 ist vielleicht der beste Serienkiller-Streifen aller Zeiten, ich sehe höchstens noch „Sieben“ auf Augenhöhe. Drehbuch, Regie, Schauspieler in Haupt- und Nebenrollen, alles perfekt und völlig zurecht von oben bis unten mit Oscars ausgezeichnet.

Jodie Foster glänzt als ehrgeizige junge FBI-Agentin Clarice Starling, die sich bei der Suche nach einem Serienmörder auf Geheiß ihres Chefs Tipps von einem inhaftierten Killer holt – Hannibal Lecter. Doch Lecter hat anderes in Sinn, als nur einen Killer zu fassen, er spielt sein eigenes Spiel mit Clarice. Die Beziehung der beiden Hauptfiguren ist sicherlich das interessanteste und beste an dem Film, aber auch der Rest der Story, die von der ersten Minute an unheimliche Stimmung oder auch der großartige Score sind aller Ehren wert.

PS: Nach diesem Film war es noch nicht vorbei mit Hannibal Lecter. Es folgten der unselige „Hannibal“, der im Vergleich ganz derbe abschmiert und ohne Jodie Foster auskommen musste, das Prequel und Remake „Red Dragon“ mit Edward Norton als Ermittler (die Story wurde bereits in den 80ern von Michael Mann unter dem Titel „Manhunter“ verfilmt, und zwar sehr viel besser als die neue Version), und zum traurigen (bisherigen) Abschluß der erbärmliche Stuss von „Hannibal Rising“, der die Kindheit und Jugend von Lecter erzählt und dabei einfach ALLES falsch macht.

Mulholland Drive (Top-100)

Juni 9, 2009

David Lynchs „Mulholland Drive“ sollte der Beginn einer Fernsehserie werden, aber der Sender lehnte dankend ab. Mit Geld von Canal + hat Lynch dann einen Spielfilm draus gemacht – und was für einen. Nach gut neunzig Minuten beginnt die Story von neuem, wirft ein anderes Licht auf das bisher gesehene, löst einige Rätsel auf, lässt andere offen. Auf der Höhe seiner Kunst zeigt der Meister des abgründig-mysteriösen Kinos allen vermeintlich cleveren Drehbuchautoren und Regisseuren die Grenzen auf. Nebenbei verhilft der Film Naomi Watt zu eben der Hollywood-Karriere, von der ihre Figur nur träumen kann, erfindet Charaktere, die nur einen Lynch-Film bevölkern können und schafft mit bescheidenen finanziellen Mitteln eine visuelle Brillanz, die der erzählerischen Klasse ebenbürtig ist. Klingt als würde hier ein Fan schreiben? Aber sowas von!

Wer den Film gesehen hat und sich (immer noch) fragt ‘Was in Gottes Namen hat sich da gerade abgespielt?!’, dem sei dieser Artikel von Salon.com empfohlen, in dem einige Rätsel gelöst und einige andere wenigstens angesprochen werden…

Beautiful Girls (Top 100)

Juni 8, 2009

Auch kleine Filme können ganz großes Kino sein. Ted Demmes „Beautiful Girls“ ist so ein kleiner, großer Film, vom viel zu früh verstorbene Regisseur Ted Demme. Willie Conway (Timothy Hutton) lebt seit langem in New York, wo er sich als Pianist durchschlägt. Zu Weihnachten kehrt er in seine verschneite kleine Heimatstadt zurück, wo die meisten seiner alten Freunde inzwischen mitten im Kleinstadtleben stecken. Der Film ist voll von interessanten und liebenswerten Personen, deren Sorgen und Träume der Film nicht etwa in einem herkömmlichen Plot entfaltet, sondern eher beiläufig. Unter anderem wird Willies Verlobte zu Ende der Feiertage  in der Stadt erwartet…

Dass „Beautiful Girls“ trotzdem immer Spaß macht und einige großartige Kino-Momente bietet liegt vor allen an dem herrlichen Ensemble von Schauspielern. Natalie Portman in sehr jungen Jahren ist als niedliche Nachbarin dabei, Uma Thurman als schicke Cousine von außerhalb, Matt Dillon als Ex-Footballstar des Highschool-Teams, Mira Sovino als seine leidensfähige Freundin, Michael Rapaport als liebenswert-frustrierter Fan von Super-Models. Ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken oder den Bogen zu überspannen kommen in „Beautiful Girls“ die ganz normalen Probleme des Alltags zur Sprache, vorgetragen mit Mitgefühl, Witz und einer Prise gesunden Geschlechterkampfs.

The Maltese Falcon (Top-100)

Juni 7, 2009

Einer der ersten und besten Film Noirs ist diese Verfilmung eines Romans von Dashiell Hammett. Humphrey Bogart ist als Privatdetektiv Sam Spade ganz in seinem Element und vielleicht sogar noch eine Spur besser als in „The Big Sleep“. Die Story kreist um einen der bekanntesten McGuffins der Filmgeschichte, den namensgebenden Malteser Falken. Nachdem sein Partner bei einem Routine-Auftrag ermordet wurde macht sich Spade auf, den Mörder zu stellen. Damit beginnt ein Verwirrspiel um einige Herren (unter ihnen Peter Lorre) und – natürlich – eine ‘femme fatale’ (Mary Astor).

„The Maltese Falcon“ hat viele Standards gesetzt für ein Genre, das er mitbegründet hat. Der verwirrende Plot um einen Haufen exzentrischer, getriebener Figuren und der lakonische, einsame Held, der als einziger nach seinem eigenen moralischen Kompass handelt sind unzählig variiert worden. Regisseur John Huston inszeniert die Handlung recht zurückhaltend, setzt auf Psychologie statt auf Tempo oder Action. Und so ist „The Maltese Falcon“ heute im allerbesten Sinne ein Klassiker, den ich mir immer noch gerne ansehe.

Menace II Society (Top 100)

Juni 5, 2009

„Menace II Society“ ist ein packendes Drama und Lehrstück über Gewalt und Frustration in den schwarzen Suburbs der USA. In teils drastischen Bildern zeigt der Film von 1993 das Leben einiger schwarzer Teenager, die sich immer tiefer in eine Spirale der Gewalt verlieren. Ganz ohne den idealistisch-verblödeten Ansatz von etwa „Dangerous Minds“ erzählt er eine ebenso einfache wie fatale Geschichte und richtet den Fokus auf ein gerne totgeschwiegenes Problem der modernen Welt.

Die Chancen- und Perspektivlosigkeit der Kids und der nicht vorhandene gesellschaftliche Wille, die bestehenden Verhältnisse zu verbessern, entzaubern den amerikanischen Traum mit dem Portrait einer Generation, die in der Kriminalität aufwächst. Dank eines hervorragenden Drehbuchs und den starken Schauspielern entwickelt sich im Rahmen des sozialen auch ein glaubwürdiges persönliches Drama. Das Filmdebut der damals gerade mal 21-jährigen Hughes-Brüder Albert und Allen ist ein Meilenstein des sozialkritischen Kinos, authentisch, mitreißend und ohne Kompromisse.

Aguirre, der Zorn Gottes (Top-100)

Mai 28, 2009

Wer mich, oder besser meinen Filmgeschmack kennt, weiss dass ich nicht eben ein Faible für deutsche Filme habe, und auch nicht wirklich für verschrobenes Arthouse-Kino. Ich bin da eher auf Billy Wilders Seite, dessen erstes Prinzip „Nicht das Publikum langweilen!“ war. Werner Herzogs „Aguirre“ hält diese Regel ein, verlangt aber vom Publikum die Bereitschaft, sich komplett auf den Film und seine düstere Welt einzulassen. Eine Gruppe spanischer Abenteurer ist im 16. Jhd. im heutigen Peru auf der Suche nach ‘El Dorado’. Mit dabei ist Don Lope de Aguirre, gespielt von Klaus Kinski, der den spanischen Edelmann als einen düsteren Zeitgenossen mit fatalem Hang zum (Größen-)Wahnsinn spielt.

Die Guerilla-Dreharbeiten des Films sind legendär, und werden vom Regisseur in „Mein liebster Feind“ noch einmal detailliert aufbereitet. Die Abgelegenheit der Schauplätze, die Spannungen unter den kreativen Köpfen des Films, der Aberglaube der peruanischen Laiendarsteller, all das wird im Film erlebbar, wenn die von Fehlschlägen und Todesfällen gemarterten Männer am Ende unter Aguirres Kommando erkennen müssen, dass am Ende ihrer Reise wohl keineswegs unermeßlicher Reichtum steht. Aguirre selbst ist da schon jenseits von gut und böse, und natürlich ist Klaus Kinski genau der richtige Schauspieler um solchen Wahnsinn auf der Leinwand glaubhaft zu verkörpern.