Archiv für die Kategorie ‘Nuck Chorris’

Der fehlt ja auf meiner Top-100-Liste, aber…

September 22, 2009

.. ist trotzdem großes Kino: „Mission: Impossible“. Brian DePalmas Agententhriller mit Tom Cruise von 1996 macht so richtig Spaß, wie ich gerade mal wieder feststelle. Wenn werte Nachbarn mit DVD-Sammlung im Urlaub sind greift man eben auch mal zu, und nicht immer nur daneben. Der Film ist so einfach wie clever gemacht: drei große Szenen (Prag, Langley, Eurocity), von ein paar kleineren Szenen zusammengehalten, können einen astreinen Film ergeben.

Es sind die einfachen, aber extrem wirkungsvollen Zutaten, die „Mission: Impossible“ zu einem unterhaltsamen 007-Ersatz machen. Ein paar Agenten-Gimmicks, zwei bis drei Plot-Twists, sorgfältig geplante Einbrüche, und ein Bösewicht aus den eigenen Reihen. Sicher keine Offenbarung, aber eben gut gemacht und mit dem richtigen Gespür fürs Genre. Girls, guns, gadgets! Und nicht ganz unwichtig: es ist ein schmaler Grad zwischen Agententhriller und Agentenkomödie. Letztere gehen meist schief, erstere können aber auch nur funktionieren, wenn man die Zutat „Ernst“ mit Augenmaß verwendet. Schließlich ist kaum ein Genre so sehr der Phantasie des Zuschauers verpflichtet, schon weil der ‘Plot’ häufig eine Menge Phantasie seitens des Zuschauers erfordert…

District 9 [Spoilers!]

September 11, 2009

Die Vorschusslorbeeren für „District 9″ waren groß, neben dem guten US-Kinostart hat sich der Film auch beim Publikum extrem beliebt gemacht und es gleich in die Top 250 der IMDB gebracht. Weil man das Momentum mitnehmen wollte hat sich Sony Pictures, der hiesige Verleih des unabhängig produzierten Films, entschieden den Kinostart vorzuziehen, vom 22. Oktober auf den 10. September. Der große Saal im Cinestar am Potsdamer Platz war dann auch gut gefüllt, allerdings längst nicht so brechend voll wie jüngst bei den „Inglourious Basterds“.

„District 9″ gibt sich zu Beginn als Dokumentation aus, in Interviews und wackligen Fernsehbildern erfährt das Publikum, was eigentlich los ist. Folgendes ist los: Ein Raumschiff mit mehreren Hundertausend Aliens ist über Johannesburg zum Stillstand gekommen. Was die Aliens – wenn überhaupt irgendwas – auf der Erde wollten ist unklar. Mangels Alternativen werden die unfreiwilligen Erdbewohner in einem abgezäunten Bezirk untergebracht, der schnell zum Ghetto gedeiht. Die Behörden sind überfordert und beauftragen einen Waffenkonzern mit der Evakuierung der Aliens in ein außerhalb der Stadt gelegenes Gebiet.

Diese Operation soll Wikus Van De Merwe leiten, ein redseliger, etwas unbeholfener Angestellter des Konzerns MNU, und zufällig Schwiegersohn von dessen Boss. Die Zwangsumsiedlung gerät zu einer brutalen Farce, bei der sich Van De Merwe eine Art Alien-Virus einfängt – er mutiert schrittweise selbst zum Alien. Hier ändert sich die Perspektive, nicht mehr pseudo-dokumentarische Archivaufnahmen bestimmen das Geschehen, sondern eher klassische Einstellungen. Van De Merwe wird zum Versuchskaninchen seines Arbeitgebers, der auf Erkentnisse hofft, wie man die konfeszierten Waffen der Aliens endlich auch für Menschen nutzbar machen kann. Van De Merwe kann fliehen und sucht im Ghetto von „District 9″ nach einem Ausweg.

Vom Ton her erinnert der Film ein wenig an Verhoevens „Starship Troopers“, auch hier wird an beißender Satire nicht gespart. Der Hass der Militärs und auch der Bürger der Stadt auf die ungewollten neuen Nachbarn kennt schnell keine Grenzen mehr, kaum jemand stört sich an dem erbärmlichen Ghetto-Dasein, in das die Aliens gezwungen werden. Erst durch die „Verwandlung“ der Hauptfigur ändert sich der Blick auf die Lage. Das Publikum fiebert mit Van De Merwe mit, dem als Verbündete ja nur die Aliens bleiben, wenn er nicht auf dem Seziertisch seiner Bosse landen will. Hier wird „District 9″ dann zu einem eher konventionellen Actionfilm, ohne aber seinen scharfen Ton zu verlieren.

Weil er ohne bekannte Schauspieler auskommt und offenbar sehr günstig in Johannesburg und Neuseeland drehen konnte, reichte dem Regisseur Neil Blomkamp ein Budget von $ 30 Mio., um seine Story zu realisieren. Die Effekte sind trotzdem überzeugend, Raumschiff und Aliens sind erstklassig umgesetzt. Die Thematik von Apartheid (ausgerechnet in Johannesburg) am Beispiel einer Alien-Invasion aufzugreifen ist mutig, und das Drehbuch clever genug um viele Facetten des Themas auszuloten. Das düstere Bild, das der Film von den Menschen zeichnet, ist als eindeutige Warnung zu verstehen, die dem Regisseur offensichtlich sehr am Herzen liegt. Einzig Van De Merwe beginnt irgendwann zu begreifen, dass die „anderen“ auf der Erde nie eine Chance auf ein anständiges Leben hatten – ohne seine Infektion wäre ihm das aber auch egal gewesen.

„District 9″ wird kein Überraschungshit vom Schlage „Juno“ oder „Amelie“ werden, denn er wird sicher nicht allen Leuten gefallen. Die Story ist unbequem, die Machart zunächst gewöhnungsbedürftig, der Humor ist tiefschwarz und die Splatterszenen so drastisch, dass empfindliche Mägen hier völlig fehl am Platze sind. Ordentliche Zuschauerzahlen wird er trotzdem sicher erreichen, und das auch verdient. Denn der Film geht höhere Risiken und neuere Wege als die meisten Blockbuster des Sommers zusammen. Und man geht nicht raus und hat es hinter sich, man geht raus und hat etwas neues gesehen.

8/10

Inglourious Basterds

August 25, 2009

Wenn Quentin Tarantino einen neuen Film macht ist das immer eine gute Nachricht. Der Hype um seinen jüngsten Film war vor allem hierzulande besonders groß, immerhin war neben Tarantino für die Zeit des Drehs auch das mediale Dauerspektakel „Brangelina“ in Berlin zu Gast, mit entsprechendem Rauschen im Blätterwald. Und es ist ja auch kein Zufall, dass Tarantino seinen Film in Deutschland gedreht hat – auch wenn die vielen deutschen Schauspieler, die darin mitspielen, sicher auch mit ihm auf Reisen gegangen wären. Seit Donnerstag ist der Film nun hier im Kino zu bewundern. Und trotz vorheriger großer Skepsis seitens des Autors dieser Zeilen ist ‘bewundern’ wirklich das richtige Wort.

Denn was im Trailer noch wie ein wildes, brutales und schräges Guerilla-Kriegsfilmchen aussieht, in dem ein Horde Soldaten fleißig Nazi-Skalps einsammelt, entpuppt sich als vielfältiger, extrem witziger und subversiver Film. Die „Inglourious Basterds“, also die Bande US-Soldaten, die hinter feindlichen Linien Nazis jagt, ist schon mit drin im Film, bestimmt aber keineswegs voll und ganz das Geschehen oder die Erzählweise. Der Film ist in fünf Kapitel unterteilt, und beginnt mit einer einzigartigen Szene im ländlichen (und besetzten) Frankreich, in der gleich deutlich wird, was den Film über die gesamte Spielzeit ausmachen wird: Das Spiel mit Sprache. Oder besser mit mehreren Sprachen, als da wären Deutsch (sehr viel), Englisch (viel), Französisch (recht viel) und Italienisch (wenig, aber dann brüllend komisch).

Hans Landa, Oberst der SS und gespielt von Christoph Waltz, besucht eine Farm und beginnt die Konversation mit dem Hausherren in feinstem und feierlichem Französisch. Das Gespräch nimmt dann langsam eine dramatische Wendung, nachdem Landa (aus später plausibel werdenden Gründen) ins Englische wechselt. Tarantino spielt nicht nur in dieser Szene virtuos mit den Gefühlen des Publikums, indem er entscheidende Informationen lange zurückhält, um sie dann schleichend preiszugeben. Das Unbehagen im Publikum wächst in dieser Szene beträchtlich, und wäre man in einem Tarantino-Film nicht auf Tarantino-Momente (Stichwort „Bonny Situation) vorbereitet, wer weiss ob man nicht einfach das Weite suchen würde.

Nach der Vorstellung der „Basterds“ im zweiten Kapitel nimmt die Story dann richtig Fahrt auf. Im Mittelpunkt der Story steht die bevorstehende Premiere eines deutschen Propagandafilms in Paris. Der junge Kriegsheld und Hauptdarsteller Frederick Zoller (Daniel Brühl) macht einer jungen Französin und Theaterbesitzerin den Hof, und bemüht sich die Premiere in ihr kleines Kino zu verlegen. Was er nicht weiss, ist, dass die junge Dame Jüdin ist, und ihre eigenen Erfahrungen mit den Nazis gesammelt hat (zu sehen in Kapitel 1).

Auch die „Basterds“ kriegen Wind von der Veranstaltung, bei der neben Goebbels noch einige andere führende Nazis erwartet werden. Über eine Doppelagentin (Diane Kruger spielt den fiktiven Filmstar Bridget von Hammersmarck) wollen sich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und seine Waffenbrüder Zugang verschaffen und ihre ganz persönlichen Grüße ausrichten. Dagegen hat natürlich Oberst Landa etwas, der bei der ganzen Sache für Sicherheit sorgen soll… Und wie nebenbei sorgt auch der Film im Film „Stolz der Nation“ (ebenfalls mit Brühl in der Hauptrolle), eine groteske Ballerorgie um einen deutschen Scharfschützen, noch für ein paar ordentliche Lacher.

Bis hin zum infernalischen Finale des Films reiht Quentin Tarantino einige großartige Szenen aneinander, mischt derben Humor immer wieder mit unterschwelliger Spannung und zieht alle Register, um sein Publikum bei Laune zu halten. Die Erzählfäden laufen scheinbar mühelos auf den denkwürdigen Schluss zu. Tarantino, als Regisseur und Drehbuchautor quasi alleinverantwortlich für die Story, hat von dem 70er-Jahre-Streife des gleichen Namens nur den Titel und die Idee des Einsatzkommandos der besonderen Art übernommen.

Bemerkenswert und einzigartig ist die Darstellung der Nazis, die mit klassischen Historienkino nichts gemein hat. Christoph Waltz spielt den eloquenten mehrsprachigen Oberst und Charmeur Landa jenseits der bekannten „böser Nazi“-Klischees, als schillernden Bösewicht, der auch Überraschungen im Gepäck hat. Goebbels, gespielt von Sylvester Groth, ist eine überdrehte Karikatur seiner selbst. Auch Hitler kommt im Film vor, ebenfalls als Karikatur. Beiden Figuren dichtet der Film keine psychologischen Hintergründe an. Insgesamt hat Tarantino mit den üblichen Darstellungen der Nazis als entweder abgrundtief schlecht oder an der Massenhysterie der Zeit verderbte Schurken nichts am Hut. Den Gefallen, die Nazis verstehen zu wollen und ihren Irrsinn zu erklären tut ihnen der Regisseur wohlweisslich erst gar nicht. Wie schon in „Pulp Fiction“ und den „Kill Bill“-Filmen erschafft sich der Regisseur sein eigenes Universum, in dem eigene Regeln gelten.

Dass der Film an seinem Startwochenende u. a. in Deutschland und den USA mehr Geld eingespielt hat als jeder andere Film von Tarantino ist ihm zu gönnen, überrascht aber ein wenig. Immerhin müssen sich die Amerikaner zu rund zwei Dritteln mit Untertiteln herumplagen, was sie traditionell nicht gerne tun. Und mit gut zweieinhalb Stunden ist der Film auch recht lang geworden. Vielleicht war es die Starpower von Brad Pitt, die ein wenig nachgeholfen hat, vielleicht der seit der Premiere in Cannes bestehende Medienrummel. Vielleicht ist aber auch das Publikum von „Inglourious Basterds“ schlicht begeistert, und die Mund-und-Twitter-Propaganda tat ihr übriges. Dafür späche z. B., dass die IMDB-User den Film mit einer durchschnittlichen Bewertung von 8,7 bereits unter die Top 50 aller Zeiten gewählt haben.

9/10

Transformers – Revenge of the Fallen

Juni 30, 2009

Es war mir durchaus bewusst, dass das Experiment „Transformers 2 gucken“ misslingen könnte. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zletzt, und die ersten 80, 90 Minuten des ersten Teils haben ja durchaus Spaß gemacht. Auch beim zweiten Teil liegen die Stärken eher am Anfang des Films. Wobei „Stärken“ nicht ganz das richtige Wort ist. Immerhin, wenn man die beknackten Teenie-Jokes ignoriert, Slapstick durchaus wohlgesinnt ist und käsige Dialoge toleriert, dann bietet „Transformers – Revenge of the Fallen“ zunächst das gewünschte Programm. Ordentlich Action, viel Bewegung, Explosionen, Verfolgungsjagten.

Leider kippt das Verhältnis in der zweiten Hälfte (der Film läuft im Kino mit Pause) zugunsten von erbärmlicher Militär-Verherrlichung, endlosen Baller-Szenen und einer extrem lauen Story-Entwicklung. Ich habe sehr bald das Ende herbeigesehnt, aber 150 Minuten sind 150 Minuten, mit oder ohne Pause. Warum es eine solange Spielzeit sein musste? Vielleicht, weil „The Dark Knight“ auch (zu) lang war, und mächtig abkassiert hat. Oder weil die Szenen schon im Kasten waren, also rein in den Film damit. Womit das Prinzip „value for money“ zumindest theoretisch zum Zuge gekommen wäre…

Michael Bay und seine drei (!) Drehbuchautoren bedienen sich, unter anderem, beim „5. Element“, bei „Matrix“, „Herr der Ringe“, „Star Wars“ und „Indiana Jones“. Der einzige Unterschied sind halt die Transformers selbst. Die allerdings sind zwar für allerlei Actionszenen gut, outen sich aber sehr schnell als hochgradig albern, wenn man ihnen Sprechrollen zugesteht. Kein Wunder auch, die Dinger wurden für Kinder erfunden, die beim spielen damit „Wrrrmmmm!“, „Tätätätätätä!“ und sonstige Sounds machten. Die Story opfert vorrübergehend den Ober-Transformer der „guten“, namentlich Optimus Prime. Der verbringt den halben Film als Optimus Müllhaufen, während die fiesen Decepticons folgendes im Sinn haben: die Erde zerstören. Hooray!

Menschen sind auch dabei, in Person von Sam (Shia LaBeouf) etwa. Von allen Beteiligten ist seine Figur die interessanteste, was in diesem Fall eine schlechte Nachricht ist. Denn abgesehen von seiner speziellen Verbindung zu seinem Auto/Transformer, die einige Male zur Sprache kommt. ist er einfach nur da, um Blödsinn zu reden, der die Story voranbringt (Gelächter!), durch die Gegend zu rennen und ein paar Witze zu machen. Megan Fox ist als Mikaela, Sams sexy Freundin, wieder dabei, spielt aber keine wirkliche Rolle, sie ist einfach auch da. Der Film hat schlichtweg keine Verwendung für sie. Daneben ist John Turturro am Start, ein fieser Berater des US-Präsidenten und ein paar toughe GIs, die heldenhaft immer alles richtig machen.

Das Finale des Films spielt in Ägypten, die Pyramiden müssen als Kulisse für einen zähen Endlos-Fight herhalten, der so banal wie vorhersehbar ist. Zwischendurch rauschen Sams Eltern wieder auf, für ein paar (miese) Jokes nebenbei sorgen zwei mit schwarzem Slang redende Transformers (können nicht lesen, haben aber Goldzähne, how is that for a fucking cliché?). Sams Mitbewohner vom College darf auch mit, ist aber von vorne bis hinten weder sympathisch noch witzig.

Ja, man hätte es sich denken können: „Transformers 2″ ist liebloses, hirntotes Actionkino zum Abgewöhnen. Laut, schnell, stumpf, und – cineastische Todsünde – einfach langweilig. Im Kino waren die meisten Zuschauer offenbar trotzdem zufrieden, man lachte und frohlockte (gibt es das noch, „frohlocken“?). Ich habe auch lachen müssen, aber an meist anderen Stellen als der Rest. Wie auch immer, der Film wird das Taschengeld seiner Zielgruppe magnetisch anziehen, soviel steht fest. In den USA hat man in fünf Tagen $ 200 Mio. eingespielt, der Film wird sich für die Produzenten rechnen, und auch für Michael Bay. Denn der bekommt nicht nur Gewinnbeteiligung vom Film, er kassiert jetzt auch von Hasbro, dem Hersteller der Actionfiguren, eine Umsatzbeteiligung. Na denn, Mr. Bay: TRANSFORM MY ASS!

2/10

PS: Wen es interessiert: Hier der Spiegel-Artikel zu Transformers 2 und HASBROs weiteren Kino-Aktivitäten. Muss wohl als Warnung verstanden werden…

12 Runden

Juni 15, 2009

Durchschnittliche Actionfilme gibt es wahrlich genug, aber „12  Rounds“ war für mich einer zuviel. Die nächsten paar Streifen mit Ex-Wrestlern als Actionhelden müssen ohne mich auskommen, da guck ich mir lieber noch ein paar mal die „Die Hard“ oder „Lethal Weapon“-Filme an. „12 Runden“ folgt einem einfachen Prinzip. Ein Cop (John Cena) stellt einen Schwerverbrecher, wobei dessen Geliebte stribt. Der Bösewicht schwört Rache, flieht aus dem Knast. Und dann klingelt beim Cop das Telefon und eine Stimme sagt: „Let’s play a game“. In dem Moment hätte ich den Film ausmachen sollen, man erinnere sich nur an die unseligen „Saw“-Filme, in denen auch immer irgendwer ein beklopptes Spiel spielen wollte. Lernt Skat, Jungs! DAS ist ein Spiel.

Nun denn, der fiese Kerl in „12 Rounds“ spielt also mit seinem Opfer Katz-und-Maus, was der Film zum Anlass nimmt quer durch New Orleans zu hetzen und dabei ein paar nette Actionszenen aufzufahren. Wie das ganze ausgehen wird ist auch klar. Viel wäre also ohnehin nicht drin gewesen bei dem Material. Die Sache wird leider nicht besser durch die Anwesenheit von John Cena, gegen den Dwayne „The Rock“ Johnson ein begnadeter Charakterdarsteller ist. Mit seinem vierkantigen Schädel,tiefer Stimme und nicht vorhandenem Mimik-Repertoire rennt, wirft und grummelt er sich durch den lauen Plot. Und es macht schlicht keinen Spaß, ihm dabei zuzusehen. So wie das etwa bei John McClane immer der Fall war. Was bleibt, sind ein paar Explosionen, Verfolgungsfahrten und Schießereien, die man auch schon besser gesehen hat, und das nicht nur einmal. Laaaangweilig.

3/10

Terminator Salvation

Juni 5, 2009

Mit der Tagline „The End Begins“ macht der vierte Teil der „Terminator“-Reihe gleich deutlich, dass ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Der Kampf um die Zukunft der Menschheit wird nicht mehr im Hier und Jetzt ausgefochten, sondern in der Zukunft. Genauer gesagt im Jahr 2018. Die Maschinen von Cyberdyne haben weitgehend die Kontrolle über die zerstörte Erde übernommen, die Widerstandskämpfer haben einen schweren Stand. Mittendrin findet sich John Connor (Christian Bale), der den Glauben an einen Sieg gegen die Maschinen nicht aufgegeben hat.

Die Story von „Terminator Salvation“ ist sicherlich nicht die Hauptattraktion des Films, und auch nicht als solche gedacht. Die Zeitreisen-Logik ergibt nur bedingt Sinn und wird auch nicht weiter ausgeführt, die Übergänge zwischen Action und Drama sind zuweilen äußerst holprig. An die inszenatorische Klasse von „T2″ kommt Regisseur McG („Charlie’s Angels“) nie heran, was nicht wirklich verwundert. Es ist trotzdem ein wenig traurig zu sehen, wie weit man vom Niveau her in allen Belangen (außer der Action vielleicht) von James Camerons Meisterwerk entfernt ist.

Ein paar Terminator-Markenzeichen haben es in den Film geschafft, u. a. etwa die verlassene Tankstelle in der Wüste und der Kampf in einer Fabrikhalle. Von der Optik her geht „Salvation“ eher in Richtung Kriegsfilm, mit ausgeblichenen Farben und jeder Menge militärischem Gerät und Gerede. Das Grundgerüst jedoch ist wie schon bei den Vorgängern ein Action-Roadmovie. Sowohl Connor als auch der einzig nennenswerte Neuzugang unter den Figuren, die Mensch-Maschine Marcus Wright, sind ständig unterwegs.

Die Actionszenen sind eindeutig das Herz des Films, wobei eine Sequenz in der Mitte des Films herausragt. Special-Effects, Sets und Soundeffekte lassen nichts zu wünschen übrig, nur ganz selten ist zu merken, dass vieles am Computer entstanden ist. Es macht Spaß sich dem Inferno auszusetzen (in meinem Fall in der vierten Reihe des größten Saales im Cinestar), da hat sich der Eintritt schon gelohnt.

Weniger gelungen ist wie bereits erwähnt die Story. Obwohl ein paar richtig gute Szenen dabei abfallen ist sie offensichtlich durch zwei bis drei „rewrites“ gegangen. Um den Film am Laufen zu halten ist sie ausreichend, um aber ein mitreißendes neues Kapitel der Reihe aufzuschlagen doch etwas dünne. Was eine (sicherlich geplante) Fortsetzung der Reihe storytechnisch bringen soll ist unklar. Und zu allem Überfluss erinnert das Setting im Nachhinein auch sehr an die zwei letzten „Matrix“-Teile, denen ja im ewigen Gequatsche der Rebellen vom „entscheidenden Kampf“ ganz erbärmlich die Luft ausging.

Für sich genommen ist „Terminator Salvation“ ein guter Actionfilm ohne jeden Firlefanz. Hier werden keine „lustigen“ Sprüche geklopft oder idiotische Sidekicks eingeführt. Marcus Wright (Sam Worthington) ist eine stimmige Figur (solange man nicht genau über die Hintergründe nachdenkt), Anton Yelchin als John Connors Vater in jungen Jahren macht seine Sache ebenfalls gut. Christian Bale ist eine gute Besetzung für John Connor, wenngleich seine Performance nicht sonderlich bemerkenswert ist – dafür fehlen aber auch die großen dramatischen Momente. Von den Actionblockbustern des Frühjahrs ist mir dieser der liebste, was eine gute und eine schlechte Nachricht ist.

7/10

The Limits of Control

Juni 3, 2009

Über seinen neuen Film „The Limits of Control“ sagte Jim Jarmusch höchstselbst: „I always wanted to make an action film with no action..“. Und damit hat er nicht ganz unrecht, wobei noch ein paar andere Zutaten von klassischen Actionfilmen fehlen als nur die Action selbst. Der Film beginnt mit seinem namenlosen, wortkargen ‘Held“, gespielt von Isaach den Bankolé (Jarmusch-Fans kennen ihn als Eisverkäufer Raymond in „Ghost Dog“), der an einem Flughafen einen mysteriösen Auftrag erhält. Die Reise führt ihn nach Spanien, wo er auf verschiedenen Stationen weitere Instruktionen erhält. Die wiederum werden in Strichholzschachteln verpackt und ausgetauscht, bis das Ziel der Reise erreicht ist.

Der Film hat durchaus hypnotische Qualitäten, schon wegen seiner monotonen Art, beständig in langen Einstellungen dieselben Rituale zu zeigen. Morgendliches Yoga, der Gang ins Cafe, zwei Espresso, Austausch der Informationen. Hin und wieder taucht eine „Kollegin“ auf, immer nackt und gespielt von Paz de la Huerta. Jede namenlose Kontaktperson, die der namenlose Killer(?) trifft, spricht ein bestimmtes Thema an – Kino, Drogen, Wissenschaft oder Kunst – und am Ende begegnen ihm diese Themen auf unerwartete Weise noch einmal wieder. Die für Jarmusch untypischen Bilder eines sonnigen Spanien (muss hier jemand an Woody Allens „Vicky Christina Barcelona“ denken?) verlieren als Kunstgriff häufig noch ihre Schärfe und lullen das Publikum dadurch noch weiter in die einsame Reise des Helden ein.

Nach den auch im Mainstream erfolgreichen Filmen „Ghost Dog“ und „Broken Flowers“ verweigert sich Jarmusch bei „The Limits of Control“ vehement allen Rezepten für „erfolgreiches“ Kino. Der Film ist konsequent wortkarg und gefällt sich in Anspielungen und Wiederholungen. Die Frage nach dem „Warum?“ verliert zunehmend an Bedeutung, je weiter die Handlung (wenn man sie denn so nennen will) fortschreitet. Der Film läuft nicht gänzlich ins Leere, ist aber spürbar mehr am Fluss des Geschehens interessiert als an Motiven oder Figuren.

Was uns Jim Jarmusch mit dem Film eigentlich sagen will? Ich weiss es nicht. So losgelöst von Konventionen und Stereotypen kann es eigentlich nur um das Geschichtenerzählen selbst gehen. Einige sich wiederholende Zitate des Films gewähren Einblick in das Innenleben der Handlung, doch eine klare Antwort geben sie nicht. Spuren, Hinweise, Andeutungen und Film- bzw. Literaturzitate gibt es genug, um dem Film eine Doktorarbeit zu widmen. Und so ein bißchen scheint das auch Jarmuschs Plan gewesen zu sein – einfach mal knapp zwei Stunden in wohlüberlegten Rätseln zu sprechen. Wer den Regisseur vorher geschätzt hat, wird den „Limits of Control“ sicher etwas abgewinnen können (und sei es nur die Tiefenentspannung, die den Autor dieser Zeilen beinahe in den Schlaf befördert hat), alle anderen sollten es einfach gleich sein lassen.

7/10

Crank 2 – High Voltage

April 29, 2009

Chev Chelios (Jason Statham) fliegt am Ende des ersten Teils aus einem Flugzeug und landet eher unsanft auf der Straße. Man durfte eigentlich davon ausgehen, dass der gute Mann die irrwitzige und brutale Handlung von „Crank“ nicht überlebt hat. Es wäre sein gutes Recht gewesen. Den Produzenten des Films war das herzlich egal, bei dem Erfolg des Films wollten sie eine Fortsetzung. Ein gutes Zeichen, dass die beiden Regisseure und alle wichtigen Hauptdarsteller ebenfalls wieder dabei sind.

Die Erwartungen an den Film sind einfach erklärt. „Crank“ war übertrieben, der Nachfolger muss noch mehr übertreiben. „High Voltage“ nimmt sich noch weniger ernst als Teil eins, und bezeichnet dessen Handlung per eingeblendetem Nachrichtensprecher augenzwingernd als „implausible events“. Eben äußerst unwahrscheinlich. Weiter im Text geht es mit Chelios auf dem OP-Tisch, finstere Gesellen nehmen ihm das Herz raus und implantieren künstlichen, strombetriebenen Ersatz. Bevor sie weitere Organe entnehmen können platzt Chelios der Kragen und nimmt Reißaus. Er will sein Herz wiederhaben, muss sich dabei aber regelmäßig unter Stom stellen, um die künstliche Pumpe am Leben zu halten.

Und auf geht die wilde Fahrt durch die Unterwelt von LA, in Stripschuppen, zur Pferderennbahn und quer durch die Stadt. Neben Amy Adams ist diesmal auch Bai Ling als scharfzüngiges Callgirl dabei, einige Figuren aus dem ersten Teil kehren ebenfalls wieder. Die Erzählung wird immer wieder ironisch gebrochen, mit kleinen Filmchen über die Funktionsweise des Kunstherzens, einer Rückblende zu Chelios Kindheit oder für eine kleine Hommage an die alten Godzilla-Streifen aus Japan. Der lärmende, zuweilen aber auch eher lustige Score des Films stammt von Mike Patton, dessen exzessive Ader zum allgemeinen Getöse des Films sehr gut passt.

Zuweilen ähnelt „Crank 2″ eher einem Computerspiel wie „Grand Theft Auto“ als einem Actionfilm. Die Handlung ist alles andere als linear und in sich schlüssig, es ist eher so, dass die Hauptfigur bestimmt, wo als nächstes der Baum brennt. In punkto Brutalität und Sex legt der Film auch noch mal eine Schippe drauf, wobei einiges wirklich lustig, anderes (gewollt) geschmacklos rüberkommt. Die Zielgruppe des Films (junge Männer) wird es freuen, ihr geht es ohnehin um sinnlose, übertriebene Action mit ein bißchen Humor. Und davon liefert „Crank 2″ in den gut 90 Minuten Spielzeit eine ganze Menge

7/10

PS: Die Begründung der US-Altersfreigabe liest sich fast wie eine Zusammenfassung: „Rated R for frenetic strong bloody violence throughout, crude and graphic sexual content, nudity and pervasive language“ ‘Nuff said…

The Spirit

April 2, 2009

Frank Miller ist der Mann, dem das Publikum „Sin City“ verdankt. Er schrieb die Vorlagen und führte gemeinsam mit Robert Rodriguez Regie. Nun hat Miller zum ersten mal alleine Regie geführt, bei der Verfilmung von Will Eisners Comic (entschuldigung, graphic novel) „The Spirit“. Der Film ähnelt von seiner Anlage her durchaus „Sin City“, kommt leider aber in keiner Weise an dessen Klasse heran. Als Verantwortlicher für Drehbuch und Regie dürfte Miller selbst nicht ganz schuldlos sein, dass der Film vor allem dramaturgisch ein ziemlicher Rohrkrepierer geworden ist.

„The Spirit“ (Gabriel Macht) ist ein Ex-Cop, der als unverwundbarer Gesetzeshüter auf „seine“ Stadt Central City aufpasst. Sein Gegenspieler ist Dr. Octopus (Samuel L. Jackson), der in bester Bösewicht-Manier einen Plan zur Weltbeherrschung ausgeheckt hat. Dabei kommt ihm allerdings die Jugendliebe des Helden, Sand Saref (Eva Mendes), in die Quere. Denn die gelangt versehentlich in den Besitz der begehrten Vase, die Octopus zur Macht verhelfen soll.

Optisch geht „The Spirit“ ähnliche Wege wie „Sin City“, dunkle Farben, krasse Kontraste und ein extrem künstlicher Comic-Look stehen dem Film auch nicht schlecht. Bis auf ein paar unglaubwürdige Effekte kann „The Spirit“ mit seinem Look durchaus punkten. Leider überwiegen ansonsten doch eher die Schwächen. So ist etwa die Story bestenfalls mittelmäßig und die Hauptrolle grundsolide fehlbesetzt. Eine düstere Welt wie Central City braucht einen düsteren Helden, doch Gabriel Macht stolpert eher als sturer Schuljunge aus einer mexikanischen Telenovela durch den Film, was zum Teil einfach lächerlich wirkt.

Der (unvermeidliche) Off-Kommentar enthält zu viel BlaBla, die Bösewichter um Jackson (u.a. Scarlett Johansson als Assistentin) sind allzu albern, und schon der erste Kampf zwischen Spirit und Octopus besticht vor allem durch dummes Gequatsche und Sinnlosigkeit. Die wenigen guten Szenen des Films sind Eva Mendes vorbehalten, die ähnlich wie in „The Women“ allen die Schau stiehlt, weil sie als einzige etwas Feuer versprühen kann. Eine Handvoll gelungener Szenen und der besagte schicke Look vermögen „The Spirit“ nicht über die Zeit zu bringen. Auch eine skurille Einstellung, in der Jackson und Johansson (warum auch immer) als Nazis verkleidet vor Hitler-Portraits und mit der deutschen Hymne im Hintergrund ihren Masterplan erklären kommt über ein Nummernrevue-Feeling nicht hinaus.

Gänzlich unguckbar ist „The Spirit“ nicht, er hat auch seine guten Momente. Insgesamt aber ist der Film nicht zu empfehlen. Irgendwie kann er sich zwischen seinen albernen Figuren und dem düsteren Setting nicht entscheiden, im Ergebnis lässt einen das Geschehen bis auf wenige Ausnahmen kalt. Immerhin ist er mit 105 Minuten Spielzeit nicht auch noch zu lang.

5/10

RocknRolla

März 18, 2009

Guy Ritchie erschien Ende der 90er als eine Art britischer Tarantino auf der Bildfläche und lieferte mit „Bube, Dame, König, GrAS“ und „Snatch“ zwei erfolgreiche, witzig-unterhaltsame Gangsterfilme. Dann hat er Madonna geheiratet, drehte mit ihr „Swept Away“, einen schlechten Film und kommerziellen Flop, schließlich mit „Revolver“ einen sinnfreien over-the-top-Brecher von einem Film, der hierzulande gar nicht erst in die Kinos kam.

Bevor Ritchie Ende des Jahres mit seiner Verfilmung von „Sherlock Holmes“ (Robert Downey Jr. und Jude Law als Holmes und Watson) ein großes Comeback feiern will hat er mit „RocknRolla“ noch einmal ganz auf seine bewährten Rezepte zurückgegriffen. Mehrere Gruppen von kleinen und großen Ganoven jagen denselben Geldkoffern hinterher, und der Zufall/die Story sorgt dabei für haarsträubende Szenen, in denen dann alle aufeinandertreffen. Das Milieu ist wie gewohnt eher proletarisch, neben dem obligatorischen Big Boss gibts dazu einen Abramowitsch-Verschnitt inklusive Fußballstadion, einen drogensüchtigen (Ex-)Rockstar und eine zuckersüße „Buchhalterin“.

Die Gesichter sind weitgehend bekannt, neben Tom Wilkinson und Gerard Butler sind auch Thandie Newton und Ludacris dabei. „RocknRolla“ macht durchaus Spaß, bietet er doch die bekannte Mixtur aus schrägen Überfällen, explosionsartigem Soundtrack und hohem Erzähltempo. Es fällt aber auch auf, dass Ritchie hier wirklich gar nichts neues eingefallen ist, und so gerät der Film mit zunehmender Spieldauer (von insgesamt fast zwei Stunden) zum Langweiler. Die Figuren haben nicht genug Profil, um echtes Interesse beim Publikum zu wecken, und die Story ist letzten Endes zu beliebig um für Spannung zu sorgen. Nette Kost also für einen Videoabend, auf dem auch geredet werden darf, der Gang ins Kino dürfte sich (ausser für eingefleischte Fans) eher nicht lohnen.

5/10