Archiv für die Kategorie ‘läuft..’

The Informant!

11/11/2009

Mike Whitacre (Matt Damon) ist leitender Angestellter bei ADM, einem US-Großkonzern aus der Lebensmittelindustrie. Eines Tages steht das FBI bei ADM auf der Matte, um bei der Suche nach einem Erpresser und/oder Maulwurf zu helfen. Whitacre wähnt sich bald zwischen den Fronten, weil ADM illegale Geschäfte tätigt, und arbeitet fortan als Informant für das FBI. Stets mit einem Mikrophon verkabelt soll er Beweise liefern, um die Chefetage zu belasten.

Steven Soderberghs neuer Film „The Informant!“ ist (ähnlich wie zuletzt „Moon“) nur schwer zu rezensieren, weil ein Großteil des Plots nicht verraten werden sollte und deshalb lasse ich ihn hier auch mal weg. Ein paar Dinge dürfen natürlich trotzdem gesagt werden, z.B. dass der 70er-Jahre-mäßige Soundtrack des Films eher zu einer Komödie passt als zu einem Thriller und die Handlung ironisch kommentiert.

Oder dass Matt Damon eine Glanzleistung hinlegt. Vom Superagenten Jason Bourne ist in seinem Spiel nichts zu finden, übergewichtig und mit Schnauzer spielt er Whitacre als einen zwischen Minderwertigkeitskomplexen, großer Intelligenz und  grenzenloser Naivität schwankenden Familienvater mit einer Schwäche für schicke (deutsche) Autos. Per Off-Kommentar erfährt das Publikum hin und wieder, was in seinem Kopf gerade so vorgeht. Und das sind andere Dinge als man vermuten würde – etwa sinnfreie Anekdoten („The german word for pen is ‘Kugelschreiber’..all those syllables just for ‘pen’!“) sowie Halb- und Binsenwahrheiten aus aller Welt.

Welchen Weg die Story nimmt mag der eine oder andere im Laufe des Films sogar erahnen, ich bin nicht sicher wieviel der Trailer zum Film bereits verrät. Doch die originelle Erzählweise mit einigen Zeitsprüngen und entscheidenden Informationen knapp außerhalb der Sichtweite machen den Film zu einer witzigen, ungewöhnlichen Mischung aus Drama, Thriller und Komödie bzw. Farce. Verantwortlich für einige brüllend komische Momente sind neben dem guten Drehbuch die hervorragenden Schauspieler (u. a. Scott Bakula als Agent Shepard), allen voran Matt Damon. Der beweist ein feines Gespür für komödiantisches Timing, ohne dabei den komplizierten Charakter seiner Figur zu zerstören.

„The Informant“ ist kein Meisterwerk, aber ein (im positiven Sinne) interessanter Film, der die bekannten Pfade des Mainstreams verlässt und sich eine eigene Nische schafft. Es ist Regisseur Soderbergh hoch anzurechnen, dass er im bekannten Genre des Enthüllungsthrillers neue Wege gehen kann, ohne sein Publikum zu verlieren. Wie so häufig gilt hier wohl, dass nur derjenige erfolgreich die Regeln brechen kann, der sie verdammt gut kennt.

7/10

Silentium (DVD)

06/10/2009

Nachdem mir „Der Knochenmann“ neulich Spaß gemacht hat hab ich mir mit „Silentium“ nun die zweite Verfilmung eines Wolf Haas-Romans angesehen. Dieses mal hat es den Ex-Polizisten Brenner (Joseph Hader) nach Salzburg verschlagen, wo er sich als Kaufhausdetektiv verdingt und die Festspiele gerade in vollem Gang sind. Ein Selbstmörder aus gutem Hause zerstört die vermeidliche Idylle, denn seine Frau glaubt nicht an einen Selbstmord. Sie hält einen Bischof für verantwortlich, der sich an kleinen Jungs vergangen haben soll – unter anderem eben vor Jahren auch an ihrem Gatten.

Brenner willigt ein, sich mal ein wenig umzuschauen im Kloster, und stößt dabei noch auf ganz andere Ungereimtheiten. Und was machen all die asiatischen Mädchen eigentlich in Salzburg? Die etwas heruntergekommene, aber nie um einen Spruch oder eine Idee verlegene Figur Brenner macht auch in „Silentium“ viel Spaß, ebenso die Story. Heimlicher Hauptdarsteller ist aber die Sprache, die österreichische Mundart ist nicht immer leicht zu verstehen, hat aber großen Charme. Und wenn darin solche Dialoge gesprochen werden sorgt das für äußerst vergnügliche Momente:

Frau des Selbstmörders: „Sie funktionieren nicht über Geld, und auch nicht über Ansehen. Wie funktionieren sie eigentlich?“
Brenner: „Ich glaub ich funktionier einfach nicht.“

Was aber natürlich nicht stimmt, denn Brenner funktioniert so wie viele der großen Privatdetektive in Kino und Literatur – nach seinen eigenen Regeln und seinem eigenen moralischen Kompass. „Silentium“ ist ein guter Krimi mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik, zuweilen nah an einer Satire. Aber weil Brenner sein Herz am rechten Fleck trägt hat der Film ein zutiefst menschliches Fundament, und dazu auch eine ordentliche Portion Humor.

Mit „Das ewige Leben“ soll 2011 übrigens ein vierter Brenner-Film erscheinen. Bis dahin habe ich mindestens auch den ersten gesehen („Komm, süsser Tod“), und vielleicht auch mal einen der Romane in die Hand genommen. Dann wüsste ich bei „Das ewige Leben“ zwar schon worum es geht, könnte aber mal näheres dazu sagen, ob die Filme den Büchern ebenbürtig sind, oder andersrum…

8/10

Der Knochenmann (DVD)

04/10/2009

Ich kann ja nicht behaupten, Ahnung vom österreichischen Kino zu haben. Ich kenn’ eigentlich nur Michael Haneke, und vom dem genau zwei Filme. Mit dem „Knochemann“ bin ich nun falsch rum in eine Reihe von Krimis (Regie: Wolfgang Murnberger) eingestiegen, die auf Romanen von Wolf Haas basieren – von dem ich nie was gelesen habe. Joseph Hader spielt hier den Ex-Bullen Brenner, den es bei einem Inkasso-Job aufs Land verschlägt. Mit seinem eigentlichen Auftrag kommt er nicht weiter, aber die verschrobenen Typen im Wirtshaus von Patriarch Löschenkohl (Josef Bierbichler) haben es ihm irgendwie angetan.

Die Dinge im Wirtshaus liegen kompliziert. Pauli, der wenig liebenswerte Sohn des Hauses, glaubt, sein Vater bringe sein Erbe durch, doch der Alte hat ganz andere Sorgen – die mit einem Freudenhaus in Bratislava zusammenhängen. Brenner wiederum bekommt all das eher am Rande mit und hat nur Augen für Birgit (Birgit Minichmayr), die allerdings Paulis Frau ist. Außerdem dabei sind zwei russische Gangster samt Gangsterbraut, einige unappetitliche Szenen mit einem Fleischwolf, und der ganz normale Wahnsinn auf dem Lande…

Ein klassischer Krimi ist der Film eher nicht, denn die Aufklärung der – nicht wenigen – Verbrechen steht nicht im Vordergrund, sondern findet eigentlich eher nebenbei statt. Zudem ist Brenner kein „Ersatz-Kommissar“, sondern interessierter, selten involvierter Zuschauer. Und insgesamt blickt niemand genau durch, was eigentlich gespielt wird, die Informationen fließen spärlich und meist unfreiwillig. Spaß macht „Der Knochenmann“ trotzdem, vor allem das urige Milieu, die glänzenden Schauspieler und die Unaufgeregtheit der Inszenierung überzeugen. Ich will mal hoffen, dass „Komm Süßer Tod“ und „Silentium“, die anderen beiden Filme dieser Reihe, ähnliche Qualitäten haben, ob dem so ist werde ich hier natürlich berichten…

8/10

Public Enemies

10/08/2009

Bereits seit über einem Jahr ist bekannt, dass Michael Mann („Collateral“, „Heat“) einen Film über bekannte US-Gangster der 30er Jahre drehen würde, und dass Johnny Depp und Christian Bale dabei die Hauptrollen übernehmen. Angesichts dieser Besetzung vor und hinter der Kamera waren die Erwartungen an den Film von allen Seiten sehr hoch. Doch „Public Enemies“ ist wohl nicht der Film geworden, den die meisten Zuschauer (wie auch der Autor dieser Zeilen) erwartet haben. Eine Enttäuschung im klassischen Sinne ist er allerdings auch nicht, denn er versucht erst gar nicht sich mit dramaturgischen Meisterleistungen und teurer Ausstattung in die Reihe der größten Gangster-Epen einzureihen. Stattdessen wählt der Film einen anderen Weg, der ihn gewissermaßen zwischen allen Stühle setzt.

„Public Enemies“ startet mit einer kurzen Beschreibung zur Lage der Nation. Die große Depression wütet, Arbeitslosigkeit grassiert, die Banken stehen öffentlich in der Kritik. Johnny Depp spielt den legendären Bankräuber John Dillinger, der bei seinen Überfällen stets darauf bedacht ist nur das (versicherte) Geld der Banken zu rauben – und nicht etwa noch die Brieftaschen der Anwesenden zu leeren. Das verhilft ihm zu einem Image als eine Art Robin Hood des mittleren Westens. An Dillingers Seite versammelt der Film weitere bekannte Gangster aus der Zeit, nimmt sich aber im einzelnen eine Menge Freiheiten, was die Details angeht.

Auf Seiten der Behörden ist Melvin Purvis (Christian Bale) den Ganoven auf den Fersen. Unter der Anleitung des berüchtigten ersten FBI-Chefs J. Edgar Hoover (Billy Crudup) stellt er eine Taskforce zusammen, die – erstmals in den USA – mit staatenübergreifenden Befugnissen ausgestattet ist.  Doch so leicht lässt sich Dillinger nicht unterkriegen, schließlich gehört es für ihn zum guten Ton, aus Gefängnissen auch gleich wieder auszubrechen.

Obwohl die Ausstattung des Films keine Wünsche übrig lässt ist „Public Enemies“ kein ‘period piece’ im klassischen Sinne. Durch den Einsatz von wackligen digitalen Handkameras sehen die Bilder von der Ästhetik her häufig eher nach Fernsehen oder Dokumentation aus als nach großem Gangsterdrama a la „Der Pate“. Wie schon in „Collateral“ und „Miami Vice“ nutzt Michael Mann hier einen extrem kühlen und künstlichen Look, der einen Kontrast zum Inhalt der Bilder mit ihren alten Autos und Maschinengewehren darstellt. So richtig gut passen tut das wie ich finde aber nicht, wobei die Kombination möglicherweise auch einfach so ungewöhnlich ist, dass man sich noch dran gewöhnen muss.

Auch was die Story angeht unterläuft „Public Enemies“ einige Erwartungen. Die Love-Story zwischen Dillinger und Billie Frechette (Marion Cotillard) entwickelt keine echte Dramatik, statt auf durchgehende Spannung setzt der Film eher auf  einige einprägsame, große Momente. Auch die beiden Hauptfiguren werden nicht sonderlich tief ausgeleuchtet, sie stehen eher für Ideen, als dass sie als Charaktere lebendig werden. Dillingers Part ist der des cleveren Gesetzlosen, der sich um seine Zukunft keine Gedanken macht, Purvis ist der ehrgeizige Verbrecherjäger, der mit seinen modernen Methoden für den anonymen, aber mächtigen Staatsapparat steht.

Für ein klassisches Gangsterdrama ist „Public Enemies“ also zu wenig an den Figuren interessiert. Denn auch wenn Dillingers ‘Kollegen’ Pretty Boy Floyd, Babyface Nelson oder Homer Van Meter allsamt im Film auftauchen – wirklich interessant für die Story sind sie nur in ihrer Funktion als Gesetzlose. Eine echte ‘Biographie’ ist der Film aber auch nicht geworden, dafür nimmt er sich zuviele Freiheiten, was die bekannten Fakten angeht. Immerhin zeigt er die interessante Wachablösung zwischen berühmten Gangstern a la Dillinger und weniger öffentlichkeitswirksam agierenden kriminellen Kartellen, die neue illegale Wege aufgetan haben, einen Haufen Geld zu verdienen. Auf Seiten des Ermittlungsapparats tritt die neu enstandene Bundesbehörde FBI auf den Plan, die sich den ganz schweren Jungs annimmt und die Gangsterjagd von der Provinz nach Washington holt.

Letzten Endes bietet „Public Enemies“ genug Action und Unterhaltung, um sein Publikum bei der Stange zu halten. Das vor allem zu Beginn recht gemächliche Erzähltempo ist etwas störend, die Ballerszenen zuweilen so wild, dass man die Orientierung verliert. Johnny Depps Portrait von Dillinger ist überzeugend, aber nicht sonderlich aufregend – die charismatische Ader des Gangsters bringt er glaubwürdiger rüber als seine eiskalte Bereitschaft sich jederzeit den Weg freizuschießen. Christian Bale ist ebenfalls gut, wirkt aber – wenn auch nicht so schlimm wie bei „Terminator Salvation“ – zuweilen eher unterfordert mit seiner Rolle. Ob sich die vielen Facetten des Films nach mehrmaligem Sehen zu einem stimmigeren Ganzen zusammenfügen oder nicht bleibt abzuwarten.

7/10

Dorfpunks

10/08/2009

Alle Jubeljahre verirre auch ich mich mal in einen deutschen Film. Der letzte war glaube ich der „Baader Meinhof Komplex“. Diesen Sommer stand „Dorfpunks“ auf dem Programm, die Verfilmung von Rocko Schamonis gleichnamigem Roman. Und der Film hat mir tatsächlich richtig Spaß gemacht, wozu ein wenig wahrscheinlich auch das perfekte Setting beigetragen hat – lauer Sommerabend, entspanntes Open-Air Kino im Volkspark.

Die „Dorfpunks“ sind ein paar Jugendliche, die sich in Schleswig-Holstein (gemeint ist hier der Ort Lütjenburg nahe der Ostsee) Mitte der 80er Jahre weitgehend langweilen, und sich dem Punk verschrieben haben. Mit zerrissenen Klamotten und wilden Frisuren verbringen sie ihre Sommerferien auch gerne mit ein paar Palletten Dosenbier im Wald. Im Fokus des Geschehens steht Roddy Dangerblood (Cecil von Renner), der natürlich eigentlich ganz anders heisst, aber was macht das schon.

Um dem ätzenden Alltag auf dem Dorf ein paar Highlight abzutrotzen gründen die „Dorfpunks“ bald eine Band, wobei sie mehr Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Bandnamen verbringen als mit dem Proben von Songs – mit dem entsprechenden Ergebnis, wie sich auf ihrem ersten Konzert rausstellt. Abseits der Band trifft Roddy außerdem auf die hübsche Maria, deren Geburtstagsfeier einer der Höhepunkte des Films ist. Einen dramaturgisch ausgefeilten Plot hat „Dorfpunks“ nicht zu bieten, er folgt seinen Figuren einfach für ein paar Monate durch ihr Leben und beobachtet amüsiert, was die Jungs da so treiben.

Ein großes Plus des Film sind die Dialoge, die bis auf wenige Ausnahmen ehrlich und authentisch klingen und mit reichlich norddeutsch-trockenem Humor angereichert sind („Aber WIE scheisse wir waren..das war schon wieder geil!“). Man nimmt auch den jungen Darstellern ihre Figure ohne jeden Zweifel ab. Dabei ist es hilfreich, dass nicht die üblichen Verdächtigen des deutschen Kinos mitspielen, sondern junge und unbekannte Schauspieler. Ebenso gut hat mir gefallen, dass der Film keinen Absolutheitsanspruch stellt, keine übertriebenen Ambitionen hat ein finales Generationenportrait zu zeichen, sondern recht zurückgenommen seinen „Helden“ ihre 90 Minuten Ruhm auf der Leinwand zugesteht. Damit ist der Film sicher nicht prädestiniert für einen Filmpreis, macht aber eine Menge Spaß und zeichnet ein stimmiges und witziges Bild vom Leben auf dem Land aus der Sicht der Jugend.

7/10

The Hangover

22/07/2009

„The Hangover“ ist der bisher größte Überraschungshit diesen Jahres aus den USA, mal abgesehen von „Slumdog Millionaire“. Anders als letzterer wird er sicherlich keine Oscars abräumen, denn der Film ist eine überzogene, zuweilen unappetitliche Komödie, die sich nicht eben dem guten Geschmack verpflichtet hat. Das Grundgerüst der Story ist nichts neues. Vier junge Herren begeben sich von Los Angeles nach Las Vegas, um dort einen Junggesellenabschied zu feiern.

Bräutigam Doug (Justin Bartha) hat dazu seine beiden besten Freunde geladen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Stu (Ed Helms) ist ein unterwürfig-verklemmter Zahnarzt, Phil (Bradley Cooper) ein gutaussehender Hedonist. Der verschrobene Zausel Alan (Zach Galifianakis), Bruder der zukünftigen Braut, ist ebenfalls an Bord. Kaum angekommen macht sich die Feiergesellschafft ans Werk und leert auf dem Dach des ‘Caesar’s Palace’ eine Buddel Jägermeister. Mehr bekommt das Publikum vom Saufgelage erstmal nicht zu sehen.

Am nächsten Morgen wachen Stu, Phil und Alan in ihrer Suite auf, die aussieht, als hätten Raoul Duke und Dr. Gonzo sich darin gehen lassen. Monströs verkatert und ohne Erinerungen an die letzte Nacht machen die drei einige überraschende Feststellungen. Im Badezimmer gastiert ein (echter und lebender) Tiger, in einem Schrank findet sich ein (echtes und lebendes) Baby, und Doug ist verschwunden. Was bleibt also anderes übrig als die Spur der eigenen Verwüstung aufzunehmen?

„The Hangover“ bietet keine Kost für Feingeister, sondern reißt gerne und fast ausschließlich derbe Zoten. Ohne sich sonderlich ernst zu nehmen fährt der Film einen Haufen Las Vegas-Klischees auf (besoffene Spontan-Hochzeit, Casino-Besuch, Stripperinnen), mischt ein paar übertriebene Nebenstories mit rein (was u.a. Mike Tyson zu einem Cameo-Auftritt verhilft) und frönt ausgiebig dem Klamauk. Die überzeichneten Figuren sorgen ihrerseits für einige gelungene (running) Gags, der Rest ist Slapstick oder schlichtweg albern. Nicht jeder Witz zündet, insgesamt aber stimmt die Quote – „The Hangover“ ist unterhaltsam und witzig, was ja leider für die meisten Hollywood-Komödien nicht zutrifft. Die Formel ist denkbar einfach, wird aber vergnüglich variiert und leidet auch nicht an Überlänge oder Selbstüberschätzung.

„Ein guter Plan muss einfach sein, sonst kann zuviel schief gehen“ – diese Lebensweisheit von Walter Sobchak (aka John Goodman in ‘The Big Lebowski’) fasst den Film ganz gut zusammen. Sicher kein modernes Meisterwerk, aber ein lustiger Film, der ohne große Stars und Effekte eine überdrehte Story erzählt. Nicht Glaubwürdigkeit zählt hier, sonder das Gelächter im Saal. Und (mehrmals, und laut) gelacht haben in der Vorstellung die allermeisten im Publikum – und dass obwohl es eine Sneak-Preview war und sicher nicht wenige (inklusive dem Autor dieser Zeilen) gehofft hatten, es könnte vielleicht „Public Enemies“ laufen…

7/10

Brüno

15/07/2009

Selten habe ich im Kino soviel gelacht wie bei „Borat“, Sacha Baron Cohens erstem Kinofilm. Der treudoofe Möchtegern-Kasache lieferte auf seiner Reise durch die USA eine herrliche Nummerrevue ab, bei der kein Auge trocken blieb. Nun ist Cohens nächste Kunstfigur aus der „Ali G Show“ an der Reihe, der betont schwule Österreicher Modefuzzi Brüno. Auch ihn zieht es in die USA, wo er ein großer Star werden will. Dafür ist er sich – bei Cohen kein Wunder – für nichts zu schade, was ihn und seine unfreiwilligen „Helfer“ in die haarsträubensten Situationen bringt.

Doch leider geht die Rechnung diesmal nicht so gut auf wie mit „Borat“. Cohen ist selbst zu bekannt, um noch echte Showgrößen oder Politiker in seine peinlichen Späße zu verwickeln. Und die Figur „Brüno“ taugt auch nicht so gut zum Entlarven finsterer Fakten des US-amerikanischen Alltags. So teilt sich der Film in etwa zur Hälfte in gelungene Lachnummern und zu inszeniert wirkende Situationen, dazu kommen ein paar richtig derbe Szenen, die eindeutig unter die Gürtellinie gehen.

Wenn Brüno etwa bei einem Wahrsager Kontakt mit Milli von Milli Vanilli sucht, sich von einer Charity-PR-Agentur beraten lässt, bei einer christlichen Kirche zum Hetero umerzogen werden möchte oder Eltern befragt, was er mit ihren Schauspieler-Kindern alles anstellen darf ist der Film brüllend komisch und provoziert blankes Entsetzen bei seinem Publikum. Weniger gelungen ist dagegen Brunos Versuch, im nahen Osten Frieden zu stiften, sein Jagd-Ausflug mit drei Hinterwäldlern und so manches mehr.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die „Dramaturgie“ des Films. Dass die – dem Publikum weitgehend bekannte – Kunstfigur Bruno berühmt werden will dient als Aufhänger für die meisten Szenen, kommt aber an die schlitzohrige Naivität von „Borat“ nicht heran. Zudem ist Brüno auch weniger sympathisch als der trottelige Kasache, was Cohen auch mit ganzem Körpereinsatz nicht überspielen kann. Insgesamt also keine Offenbarung, aber immer noch mit einigen großen Lachern.

7/10

Terminator Salvation

05/06/2009

Mit der Tagline „The End Begins“ macht der vierte Teil der „Terminator“-Reihe gleich deutlich, dass ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Der Kampf um die Zukunft der Menschheit wird nicht mehr im Hier und Jetzt ausgefochten, sondern in der Zukunft. Genauer gesagt im Jahr 2018. Die Maschinen von Cyberdyne haben weitgehend die Kontrolle über die zerstörte Erde übernommen, die Widerstandskämpfer haben einen schweren Stand. Mittendrin findet sich John Connor (Christian Bale), der den Glauben an einen Sieg gegen die Maschinen nicht aufgegeben hat.

Die Story von „Terminator Salvation“ ist sicherlich nicht die Hauptattraktion des Films, und auch nicht als solche gedacht. Die Zeitreisen-Logik ergibt nur bedingt Sinn und wird auch nicht weiter ausgeführt, die Übergänge zwischen Action und Drama sind zuweilen äußerst holprig. An die inszenatorische Klasse von „T2″ kommt Regisseur McG („Charlie’s Angels“) nie heran, was nicht wirklich verwundert. Es ist trotzdem ein wenig traurig zu sehen, wie weit man vom Niveau her in allen Belangen (außer der Action vielleicht) von James Camerons Meisterwerk entfernt ist.

Ein paar Terminator-Markenzeichen haben es in den Film geschafft, u. a. etwa die verlassene Tankstelle in der Wüste und der Kampf in einer Fabrikhalle. Von der Optik her geht „Salvation“ eher in Richtung Kriegsfilm, mit ausgeblichenen Farben und jeder Menge militärischem Gerät und Gerede. Das Grundgerüst jedoch ist wie schon bei den Vorgängern ein Action-Roadmovie. Sowohl Connor als auch der einzig nennenswerte Neuzugang unter den Figuren, die Mensch-Maschine Marcus Wright, sind ständig unterwegs.

Die Actionszenen sind eindeutig das Herz des Films, wobei eine Sequenz in der Mitte des Films herausragt. Special-Effects, Sets und Soundeffekte lassen nichts zu wünschen übrig, nur ganz selten ist zu merken, dass vieles am Computer entstanden ist. Es macht Spaß sich dem Inferno auszusetzen (in meinem Fall in der vierten Reihe des größten Saales im Cinestar), da hat sich der Eintritt schon gelohnt.

Weniger gelungen ist wie bereits erwähnt die Story. Obwohl ein paar richtig gute Szenen dabei abfallen ist sie offensichtlich durch zwei bis drei „rewrites“ gegangen. Um den Film am Laufen zu halten ist sie ausreichend, um aber ein mitreißendes neues Kapitel der Reihe aufzuschlagen doch etwas dünne. Was eine (sicherlich geplante) Fortsetzung der Reihe storytechnisch bringen soll ist unklar. Und zu allem Überfluss erinnert das Setting im Nachhinein auch sehr an die zwei letzten „Matrix“-Teile, denen ja im ewigen Gequatsche der Rebellen vom „entscheidenden Kampf“ ganz erbärmlich die Luft ausging.

Für sich genommen ist „Terminator Salvation“ ein guter Actionfilm ohne jeden Firlefanz. Hier werden keine „lustigen“ Sprüche geklopft oder idiotische Sidekicks eingeführt. Marcus Wright (Sam Worthington) ist eine stimmige Figur (solange man nicht genau über die Hintergründe nachdenkt), Anton Yelchin als John Connors Vater in jungen Jahren macht seine Sache ebenfalls gut. Christian Bale ist eine gute Besetzung für John Connor, wenngleich seine Performance nicht sonderlich bemerkenswert ist – dafür fehlen aber auch die großen dramatischen Momente. Von den Actionblockbustern des Frühjahrs ist mir dieser der liebste, was eine gute und eine schlechte Nachricht ist.

7/10

Duplicity

03/05/2009

Julia Roberts und Clive Owen sind in Tony Gilroys „Duplicity“ zum zweiten Mal nach „Closer“ gemeinsam auf der Leinwand zu sehen. Und wie schon in „Closer“ finden sie dabei nur auf Umwegen zueinander – zumindest scheint es zunächst so… Schein ist dann auch DAS Stichwort des Films, denn von den ersten Szenen an wird klar, dass die Handlung voller Falltüren und doppelten Böden ist. WAS man im Film sieht ist meist noch offen für eine spätere Interpretation. Denn wie das ein gewollt cleveres Script so macht, schmeisst es dem Publikum nur hin und wieder einen Brocken hin, auf die große Auflösung muss bis zum Schluss gewartet werden.

Gut für den Film also, dass er auf dem Weg dahin zu unterhalten weiss. Clive Owen und Julia Roberts spielen jeweils (Industrie-)Spione, die im Auftrag mächtiger Konzerne die Konkurrenz aushorchen. Ein Treffen 2003 in Dubai führt die beiden zum ersten Male zusammen, es folgen einige Wiedersehen rund um die Welt. Die beiden monströs mißtrauischen Charaktere sind bald Teil eines komplizierten Katz-und-Maus-Spiels, aus dem sie möglichst viel Kapital schlagen möchten. Als rivalisierende Konzernbosse sind Paul Giamatti („Sideways“) und Tom Wilkinson („Michael Clayton“) zu sehen, die sich im Vorspann eine amüsante Prügelei liefern, die diesen Namen wahrlich nicht verdient hat.

Regisseur Tony Gilroy hat zuletzt mit „Michael Clayton“ einen hervorragenden Thriller abgeliefert. Mit „Duplicity“ geht er einen etwas anderen Weg, weniger ernsthaft und mit Spielereien wie Split-Screens steht das Amusement im Vordergrund. Die Chemie zwischen Roberts und Owen stimmt, der Film ist schön anzuschauen und bietet mal ein wenig Spannung, mal eher Humor. Die Zutaten von „Duplicity“ sind weitgehend bekannt und werden geschickt variiert, am ehesten lässt sich der Film als Mischung aus „Oceans Eleven“ und „Intolerable Cruelty“ beschreiben. Nicht das ganz große Kino, aber grundsolide Unterhaltung ohne scheelen Nachgeschmack.

7/10

Crank 2 – High Voltage

29/04/2009

Chev Chelios (Jason Statham) fliegt am Ende des ersten Teils aus einem Flugzeug und landet eher unsanft auf der Straße. Man durfte eigentlich davon ausgehen, dass der gute Mann die irrwitzige und brutale Handlung von „Crank“ nicht überlebt hat. Es wäre sein gutes Recht gewesen. Den Produzenten des Films war das herzlich egal, bei dem Erfolg des Films wollten sie eine Fortsetzung. Ein gutes Zeichen, dass die beiden Regisseure und alle wichtigen Hauptdarsteller ebenfalls wieder dabei sind.

Die Erwartungen an den Film sind einfach erklärt. „Crank“ war übertrieben, der Nachfolger muss noch mehr übertreiben. „High Voltage“ nimmt sich noch weniger ernst als Teil eins, und bezeichnet dessen Handlung per eingeblendetem Nachrichtensprecher augenzwingernd als „implausible events“. Eben äußerst unwahrscheinlich. Weiter im Text geht es mit Chelios auf dem OP-Tisch, finstere Gesellen nehmen ihm das Herz raus und implantieren künstlichen, strombetriebenen Ersatz. Bevor sie weitere Organe entnehmen können platzt Chelios der Kragen und nimmt Reißaus. Er will sein Herz wiederhaben, muss sich dabei aber regelmäßig unter Stom stellen, um die künstliche Pumpe am Leben zu halten.

Und auf geht die wilde Fahrt durch die Unterwelt von LA, in Stripschuppen, zur Pferderennbahn und quer durch die Stadt. Neben Amy Adams ist diesmal auch Bai Ling als scharfzüngiges Callgirl dabei, einige Figuren aus dem ersten Teil kehren ebenfalls wieder. Die Erzählung wird immer wieder ironisch gebrochen, mit kleinen Filmchen über die Funktionsweise des Kunstherzens, einer Rückblende zu Chelios Kindheit oder für eine kleine Hommage an die alten Godzilla-Streifen aus Japan. Der lärmende, zuweilen aber auch eher lustige Score des Films stammt von Mike Patton, dessen exzessive Ader zum allgemeinen Getöse des Films sehr gut passt.

Zuweilen ähnelt „Crank 2″ eher einem Computerspiel wie „Grand Theft Auto“ als einem Actionfilm. Die Handlung ist alles andere als linear und in sich schlüssig, es ist eher so, dass die Hauptfigur bestimmt, wo als nächstes der Baum brennt. In punkto Brutalität und Sex legt der Film auch noch mal eine Schippe drauf, wobei einiges wirklich lustig, anderes (gewollt) geschmacklos rüberkommt. Die Zielgruppe des Films (junge Männer) wird es freuen, ihr geht es ohnehin um sinnlose, übertriebene Action mit ein bißchen Humor. Und davon liefert „Crank 2″ in den gut 90 Minuten Spielzeit eine ganze Menge

7/10

PS: Die Begründung der US-Altersfreigabe liest sich fast wie eine Zusammenfassung: „Rated R for frenetic strong bloody violence throughout, crude and graphic sexual content, nudity and pervasive language“ ‘Nuff said…