Archiv für die Kategorie ‘KenntKeinMensch’

Moon (DVD-Import)

09/11/2009

Unsere Welt in naher Zukunft: Wasserstoffreserven, die auf der dunklen Seite des Mondes gewonnen werden, haben das globale Energieproblem klimafreundlich gelöst. Von einer Mondbasis werden die Energieträger zur Erde geschickt. Einziger Angestellter der Basis ist Sam Bell (Sam Rockwell), dem ein mobiler Computer (oder besser eine künstliche Intelligenz) namens GERTY Gesellschaft leistet. Sams Dienst auf dem Mond ist fast vorbei, nach fast drei Jahren freut er sich auf ein Wiedersehen mit seiner Familie.

Soweit die Ausgangssituation von „Moon“, viel mehr kann über die Story nicht verraten werden, ohne zuviel vorweg zu nehmen. Dass Sam einen Unfall mit einem der Mond-Vehikel hat sei noch gesagt, und GERTY ihn gesund pflegen muss. Und dass nach diesem Unfall die Gesamtsituation in einem völlig anderen Licht erscheint. Der Film folgt dabei einer stringenten inneren Logik, die sich dem Publikum Stück für Stück erschließt.

Für Sam Rockwell ist „Moon“ eine One-Man-Show, bis auf ein paar Figuren, die in Videobotschaften auftauchen ist er der einzige Charakter. Der Schauspieler, der in vielen Filmen mitspielte („The Green Mile“, „Matchstick Men“, „Confessions of a Dangerous Mind“) ohne je wirklich zum Star zu werden, spielt Sam in allen Nuancen überzeugend. Sam ist kein Held oder Genie, sondern ein einfacher Kerl in einem außergewöhnlichen Job. GERTY wird von Kevin Spacey gesprochen, der dem Computer mit seiner angenehmen, mitfühlenden Stimme so etwas wie eine Persönlichkeit verleiht.

Für einen Science-Fiction-Film hat „Moon“ nur wenige Special-Effects, kommt ohne Aliens und mit einem Minimum an Raumschiffen aus. Dafür bietet er eine gute Story. Das sagt sich zwar leicht, ist aber gerade im Sci-Fi-Bereich selten. Neben der Story ist auch die Umsetzung sehr gelungen, das Timing stimmt ebenso wie die Dialoge und das Set-Design (ein Großteil des Films spielt im bewohnbaren Teil der Mondbasis). Einen Kinostart abgesehen vom Fantasy Filmfest wird der Film hierzulande leider nicht mehr erleben, einen regulären DVD-Release wird es aber irgendwann geben. Die UK-Version ist bereits über Amazon Deutschland direkt zu bestellen, als DVD und BluRay.

8/10

Toy Boy (DVD)

04/11/2009

Der US-Schauspieler Ashton Kutcher ist hierzulande eher als deutlich jüngerer Ehemann von Demi Moore und begeisterter Twitter-Nutzer bekannt. Einige kennen ihn vielleicht noch von der MTV-Show ‘Punk’d’. Sein Image als ‘Boy toy’ ist Teil des Konzepts von „Spread“ (Originaltitel), in dem Kutcher einen mittellosen, aber charmanten Jüngling namens Nikki spielt, der sich in L.A. von reichen Frauen aushalten lässt. Zu Beginn des Films macht er seine neueste Eroberung, eine reiche Anwältin (Anne Heche) mit schicker Villa in den Hollywood Hills.

Was folgt ist leider sehr vorhersehbar. Nikki nutzt seinen geliehenen Reichtum schamlos aus, erlebt nach ein paar weiteren Abenteuern die wahre Liebe, nur um dann festzustellen, dass die nicht so einfach zu haben ist – und er auch nicht mehr in sein bisheriges Leben zurückkehren kann. Kutcher schafft zwar den Spagat zwischen oberflächlichem Verführer und verlorener Seele, trotzdem hat seine Figur nicht genug Tiefe. Kein Wunder auch, denn statt einer schlüssigen Vergangenheit der Figur hat der Film nur einen Off-Kommentar zu bieten, in dem Nikki dem Publikum erklärt, wie das so genau zu laufen hat mit seinen vielen Eroberungen.

Statt einer interessanten oder bissigen Satire auf eine geldgeile, hedonistische und zynische Gesellschaft gibt es ein – von den für US-Verhältnisse sehr freizügigen und zahlreichen Sexszenen abgesehen – recht braves Drama, mit einer Mainstream-tauglichen Moral. Ein paar interessante Szenen fallen dabei ab, und das flotte Erzähltempo lässt „Spread“ auch kurzweilig vorüberziehen. Nur hängen bleiben tut leider nicht viel, und das ist so gut wie nie ein gutes Zeichen.

5/10

Silentium (DVD)

06/10/2009

Nachdem mir „Der Knochenmann“ neulich Spaß gemacht hat hab ich mir mit „Silentium“ nun die zweite Verfilmung eines Wolf Haas-Romans angesehen. Dieses mal hat es den Ex-Polizisten Brenner (Joseph Hader) nach Salzburg verschlagen, wo er sich als Kaufhausdetektiv verdingt und die Festspiele gerade in vollem Gang sind. Ein Selbstmörder aus gutem Hause zerstört die vermeidliche Idylle, denn seine Frau glaubt nicht an einen Selbstmord. Sie hält einen Bischof für verantwortlich, der sich an kleinen Jungs vergangen haben soll – unter anderem eben vor Jahren auch an ihrem Gatten.

Brenner willigt ein, sich mal ein wenig umzuschauen im Kloster, und stößt dabei noch auf ganz andere Ungereimtheiten. Und was machen all die asiatischen Mädchen eigentlich in Salzburg? Die etwas heruntergekommene, aber nie um einen Spruch oder eine Idee verlegene Figur Brenner macht auch in „Silentium“ viel Spaß, ebenso die Story. Heimlicher Hauptdarsteller ist aber die Sprache, die österreichische Mundart ist nicht immer leicht zu verstehen, hat aber großen Charme. Und wenn darin solche Dialoge gesprochen werden sorgt das für äußerst vergnügliche Momente:

Frau des Selbstmörders: „Sie funktionieren nicht über Geld, und auch nicht über Ansehen. Wie funktionieren sie eigentlich?“
Brenner: „Ich glaub ich funktionier einfach nicht.“

Was aber natürlich nicht stimmt, denn Brenner funktioniert so wie viele der großen Privatdetektive in Kino und Literatur – nach seinen eigenen Regeln und seinem eigenen moralischen Kompass. „Silentium“ ist ein guter Krimi mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik, zuweilen nah an einer Satire. Aber weil Brenner sein Herz am rechten Fleck trägt hat der Film ein zutiefst menschliches Fundament, und dazu auch eine ordentliche Portion Humor.

Mit „Das ewige Leben“ soll 2011 übrigens ein vierter Brenner-Film erscheinen. Bis dahin habe ich mindestens auch den ersten gesehen („Komm, süsser Tod“), und vielleicht auch mal einen der Romane in die Hand genommen. Dann wüsste ich bei „Das ewige Leben“ zwar schon worum es geht, könnte aber mal näheres dazu sagen, ob die Filme den Büchern ebenbürtig sind, oder andersrum…

8/10

Listen, Listen, Listen…

05/09/2009

Film-Listen sind schon was feines. Vor allem dann, wenn sie von jemandem zusammengestellt werden, auf dessen Meinung man was gibt. Auf Quentin Tarantino trifft das (zumindest in meinem Fall) zu, schon weil der Kerl dafür bekannt ist jährlich hunderte Filme zu sehen. Für LAWeekly.com hat Tarantino nun mal eine solche Liste erstellt – nicht die All-time Top 100, sondern seine 20 Favoriten der letzten 17 Jahre. Warum gerade der letzten 17 und nicht etwa 20 Jahre vermag ich nicht zu erklären, aber was solls.

Schön zu sehen, dass in der Liste (hier der Link dahin) auch Linklaters „Dazed and Confused“ dabei ist. Ansonsten finden sich ein paar Kandidaten, die man hätte vermuten können („Lost in Translation“, „Fight Club“), und eine Menge asiatischer Filme, von denen die wenigsten hierzulande ein größeres Publikum gefunden haben. Ich kenne jedenfalls nur „Battle Royale“ (QT’s Nummer eins) und „Joint Security Area“, der wirklich lohnenswert ist. Aber was nicht ist kann ja noch werden, und im Videodrom hier um die Ecke gibts ja eigentlich nichts, was es nicht gibt..

Dorfpunks

10/08/2009

Alle Jubeljahre verirre auch ich mich mal in einen deutschen Film. Der letzte war glaube ich der „Baader Meinhof Komplex“. Diesen Sommer stand „Dorfpunks“ auf dem Programm, die Verfilmung von Rocko Schamonis gleichnamigem Roman. Und der Film hat mir tatsächlich richtig Spaß gemacht, wozu ein wenig wahrscheinlich auch das perfekte Setting beigetragen hat – lauer Sommerabend, entspanntes Open-Air Kino im Volkspark.

Die „Dorfpunks“ sind ein paar Jugendliche, die sich in Schleswig-Holstein (gemeint ist hier der Ort Lütjenburg nahe der Ostsee) Mitte der 80er Jahre weitgehend langweilen, und sich dem Punk verschrieben haben. Mit zerrissenen Klamotten und wilden Frisuren verbringen sie ihre Sommerferien auch gerne mit ein paar Palletten Dosenbier im Wald. Im Fokus des Geschehens steht Roddy Dangerblood (Cecil von Renner), der natürlich eigentlich ganz anders heisst, aber was macht das schon.

Um dem ätzenden Alltag auf dem Dorf ein paar Highlight abzutrotzen gründen die „Dorfpunks“ bald eine Band, wobei sie mehr Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Bandnamen verbringen als mit dem Proben von Songs – mit dem entsprechenden Ergebnis, wie sich auf ihrem ersten Konzert rausstellt. Abseits der Band trifft Roddy außerdem auf die hübsche Maria, deren Geburtstagsfeier einer der Höhepunkte des Films ist. Einen dramaturgisch ausgefeilten Plot hat „Dorfpunks“ nicht zu bieten, er folgt seinen Figuren einfach für ein paar Monate durch ihr Leben und beobachtet amüsiert, was die Jungs da so treiben.

Ein großes Plus des Film sind die Dialoge, die bis auf wenige Ausnahmen ehrlich und authentisch klingen und mit reichlich norddeutsch-trockenem Humor angereichert sind („Aber WIE scheisse wir waren..das war schon wieder geil!“). Man nimmt auch den jungen Darstellern ihre Figure ohne jeden Zweifel ab. Dabei ist es hilfreich, dass nicht die üblichen Verdächtigen des deutschen Kinos mitspielen, sondern junge und unbekannte Schauspieler. Ebenso gut hat mir gefallen, dass der Film keinen Absolutheitsanspruch stellt, keine übertriebenen Ambitionen hat ein finales Generationenportrait zu zeichen, sondern recht zurückgenommen seinen „Helden“ ihre 90 Minuten Ruhm auf der Leinwand zugesteht. Damit ist der Film sicher nicht prädestiniert für einen Filmpreis, macht aber eine Menge Spaß und zeichnet ein stimmiges und witziges Bild vom Leben auf dem Land aus der Sicht der Jugend.

7/10

Observe and Report (Shopping Center King)

03/08/2009

Der Schauspieler Seth Rogen ist etwa seit zwei Jahren ‘everybody’s darling’, wenn es um Komödien geht. Mit „Superbad“ und vor allem „Knocked Up“ wurde er zum Star zahlreicher Filme aus dem Umfeld von Regisseur und Produzent Judd Apatow. Für „Pineapple Express“ und „Superbad“ schrieb er auch an den Drehbüchern mit. Und tatsächlich ist Rogen echt komisch. Oder besser: kann komisch sein. Denn in seinem letzten Film „Observe and Report“ gibt es eigentlich überhaupt nichts zu lachen, und das ist für eine selbsterklärte Komödie nicht so gut.

Rogen spielt Ronnie, den ‘Head of Security’ in einer großen Mall. Ronnie träumt von einer glorreichen Karriere als Cop, und wie es scheint ist die Gelegenheit günstig – erst macht ein Exhibitionist die Mall unsicher, indem er ungefragt Frauen seinen Schniedel zeigt, dann wird auch noch eingebrochen. Ronnie setzt alles daran, die Täter zu fassen.

„Oberserve and Report“ macht bei der ganzen Sache leider einen grundlegenden Fehler. Denn Ronnie ist kein liebenswerter Loser, sondern schlichtweg ein erbärmliches und dummes Arschloch. Seine primitive Art, seine verzerrte Wahrnehmung der Realität, sein abstoßender Umgang mit anderen – alles nicht komisch. Wenn aber die Hauptfigur unsympathisch ist, und sich auch sonst keine Sympathieträger finden, dann stellt sich die Frage worüber man lachen soll. Ray Liotta etwa ist als echter Cop dabei, und seine Rolle hätte durchaus als (lustiger) Gegenpart zu Ronnie angelegt werden können. So aber ist er nur eine von vielen ätzenden Figuren, die lustlos überzeichnet sind und keinerlei Interesse wecken. Man möchte all diese Gestalten einfach nicht sehen.

Es gibt andere Filme, in denen die Figuren allesamt eher negativ gezeichnet sind, und die trotzdem funktionieren. Siehe etwa „Rules of Attraction“ – aber das war auch eher ein satirisches Drama als eine Komödie. „Oberserve and Report“ hat zwar ebenfalls durchaus satirische Tendenzen (etwa in der Figur von Ronnies Mutter), kommt aber vom Ton her doch wie eine normale Komödie rüber. Mit dem Ergebnis, dass dem Publikum statt Lachern eine Überportion Fremdschämen serviert wird, die aber nicht mal Fans von „American Pie“ und Konsorten erfreuen wird. Ausnahmen bestätigen in Form einiger lustiger Szenen die traurige Regel. Insgesamt: „Thema verfehlt, setzen, sechs!“.

2/10

Adventureland

29/07/2009

Mit „Superbad“ hat Regisseur Greg Mottola einen der witzigsten Filme des letzten Jahres vorgelegt. Von allen Filmen aus dem Dunstkreis von Produzent/Regisseur Judd Apatow („40-yr-old Virgin“, „Knocked Up“) gehörte die Teenie-Komödie zu den besten, weil ungeschriebene Regeln des Genres locker-flockig und meist brüllend komisch übergangen wurden. Nun folgt mit „Adventureland“ der zweite Streich, dieses mal mit etwas älteren jungen Menschen im Fokus. Schauplatz ist Pittsburgh, man schreibt das Jahr 1987.

Gerade fertig mit dem College will James (Jesse Eisenberg) als nächstes an New York Citys renommierter Columbia-Universität Journalismus studieren. Für den Sommer davor ist ein Trip nach Europa geplant. Doch der fällt gleich zu Beginn ins Wasser. James’ Vater ist die Karriereleiter heruntergefallen, die Familie kann sich solche Extravaganzen nicht leisten. Was also tun? Ein Job muss her, und zwar schnell. Für handwerkliche Tätigkeiten kommt der von Literatur besessene Softie nicht in Frage, und so landet er als Aushilfe im nahe gelegenen Freizeitpark ‘Adventureland“.

Soweit die für coming-of-age-Filme nicht ungewöhnliche Ausgangssituation. Was folgt, ist ebenfalls die übliche Kost des Genres: ein paar romantische Verwicklungen, ein paar Albernheiten, ein bißchen Träumen von einer Zukunft, die nur endlich beginnen soll. Die Besetzung ist gelungen, die Darsteller spielen lebendig und authentisch, wenn sie auch keine allzu großen Szenen bekommen. Kristen Stewart („Into the Wild“, „Twilight“) ist als James’ große Liebe dabei, Ryan Reynolds („Wolverine“) spielt den Hausmeister/Frauenschwarm (eine seltene Kombination). Bill Hader (einer der Cops aus „Superbad“) ist auch mit dabei, dieses mal als preisbewusster Manager des Freizeitparks („Don’t give away ANY giant ass panda! We only have a few left.“).

„Adventureland“ mischt bekannte Zutaten zu einer durchaus unterhaltsamen Mischung aus Drama und Komödie. Wirklich beeindrucken tut das auch nicht, zumal mit „Thumbsucker“ oder „Igby goes Down“ zuletzt deutlich bessere Filme mit ähnlicher Thematik zu sehen waren. Es fehlt einfach die ein oder andere Überraschung, oder eine grundlegende Idee, die dem Geschehen ein Fundament geben könnte. James ist nun mal der x-te Geek, dem ein Kinofilm beim Erwachsenwerden zusieht, und er ist leider nicht unter den interessantesten Geeks, denen diese Ehre zu Teil wurde.

6/10

The Man from London (DVD)

11/06/2009

Im Videodrom in Kreuzberg gibt es so viele Filme, da muss man sich nicht schämen, wenn man mal daneben greift. Wenn einem das Schicksal nicht wohl gesonnen ist, kann z. B. auch ein 135 Minuten langer Film dabei rauskommen, in dem GENAU GAR NIX passiert. In ellenlangen Einstellungen zeigt der Film, wie sich aus dem vermeintlichen Plot eine Meditation über ellenlange Einstellungen entwickelt. Nach dem wie, wo und warum mag man schnell gar nicht mehr fragen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir gestern die ersten drei Menschen in Deutschland waren, die den Film bis zum Ende gesehen haben. Wenn unser Leiden einen Sinn gehabt haben soll, dann bitte diesen: Dass wir die einzigen UND letzten waren, die ihre Zeit mit diesem langatmigen Haufen Büffelkotze verschwendet haben.

Falls es doch jemand nicht lassen konnte: Don’t even ask me what the f**k it was all supposed to mean. Oder anders formuliert: Manche Fragen stellt man nicht!

1/10

The Limits of Control

03/06/2009

Über seinen neuen Film „The Limits of Control“ sagte Jim Jarmusch höchstselbst: „I always wanted to make an action film with no action..“. Und damit hat er nicht ganz unrecht, wobei noch ein paar andere Zutaten von klassischen Actionfilmen fehlen als nur die Action selbst. Der Film beginnt mit seinem namenlosen, wortkargen ‘Held“, gespielt von Isaach den Bankolé (Jarmusch-Fans kennen ihn als Eisverkäufer Raymond in „Ghost Dog“), der an einem Flughafen einen mysteriösen Auftrag erhält. Die Reise führt ihn nach Spanien, wo er auf verschiedenen Stationen weitere Instruktionen erhält. Die wiederum werden in Strichholzschachteln verpackt und ausgetauscht, bis das Ziel der Reise erreicht ist.

Der Film hat durchaus hypnotische Qualitäten, schon wegen seiner monotonen Art, beständig in langen Einstellungen dieselben Rituale zu zeigen. Morgendliches Yoga, der Gang ins Cafe, zwei Espresso, Austausch der Informationen. Hin und wieder taucht eine „Kollegin“ auf, immer nackt und gespielt von Paz de la Huerta. Jede namenlose Kontaktperson, die der namenlose Killer(?) trifft, spricht ein bestimmtes Thema an – Kino, Drogen, Wissenschaft oder Kunst – und am Ende begegnen ihm diese Themen auf unerwartete Weise noch einmal wieder. Die für Jarmusch untypischen Bilder eines sonnigen Spanien (muss hier jemand an Woody Allens „Vicky Christina Barcelona“ denken?) verlieren als Kunstgriff häufig noch ihre Schärfe und lullen das Publikum dadurch noch weiter in die einsame Reise des Helden ein.

Nach den auch im Mainstream erfolgreichen Filmen „Ghost Dog“ und „Broken Flowers“ verweigert sich Jarmusch bei „The Limits of Control“ vehement allen Rezepten für „erfolgreiches“ Kino. Der Film ist konsequent wortkarg und gefällt sich in Anspielungen und Wiederholungen. Die Frage nach dem „Warum?“ verliert zunehmend an Bedeutung, je weiter die Handlung (wenn man sie denn so nennen will) fortschreitet. Der Film läuft nicht gänzlich ins Leere, ist aber spürbar mehr am Fluss des Geschehens interessiert als an Motiven oder Figuren.

Was uns Jim Jarmusch mit dem Film eigentlich sagen will? Ich weiss es nicht. So losgelöst von Konventionen und Stereotypen kann es eigentlich nur um das Geschichtenerzählen selbst gehen. Einige sich wiederholende Zitate des Films gewähren Einblick in das Innenleben der Handlung, doch eine klare Antwort geben sie nicht. Spuren, Hinweise, Andeutungen und Film- bzw. Literaturzitate gibt es genug, um dem Film eine Doktorarbeit zu widmen. Und so ein bißchen scheint das auch Jarmuschs Plan gewesen zu sein – einfach mal knapp zwei Stunden in wohlüberlegten Rätseln zu sprechen. Wer den Regisseur vorher geschätzt hat, wird den „Limits of Control“ sicher etwas abgewinnen können (und sei es nur die Tiefenentspannung, die den Autor dieser Zeilen beinahe in den Schlaf befördert hat), alle anderen sollten es einfach gleich sein lassen.

7/10

A Pervert’s Guide to Cinema (DVD)

06/04/2009

Filme über andere Filme sind ein schwieriges Unterfangen, wie ich finde. Ich gucke wirklich sehr gerne Filme, aber selbst bei meinen absoluten Favoriten kommt ein Blick auf die DVD-Extras, also Dokumentationen oder Kommentar des Regisseurs, selten vor. Was Leute über ihre eigenen Filme zu sagen haben ist selten echter Mehrwert.  Der slowenische Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Zizek (http://de.wikipedia.org/wiki/Zizek)  hat mit dem „Pervert’s Guide to Cinema“ genau solchen Mehrwert geschaffen.

In knapp zweieinhalb Stunden erläutert Zizek (mit einem herrlichen Akzent) seine Gedanken zum Thema Film. Dabei geht es ihm vor allem um die Wahrnehmung des Geschehens durch den Zuschauer. Der „Pervert“ aus dem Titel ist dabei lediglich eine Anspielung auf die vielen unterbewussten Signale und Aussagen, die Zizek in den vorgestellten Filmen findet. Nicht jede seiner Ideen erschließt sich sofort, und doch ist der Film immer interessant und unterhaltsam, weil Zizek nicht trocken referiert, sondern mit Humor (und vor falschen Kulissen) vorträgt.

Die breite Filmauswahl hat mir sehr gut gefallen, mit Alfred Hitchcock und David Lynch stehen zwei Regisseure – oder besser ihre Werke – besonders häufig im Mittelpunkt, aber auch „Matrix“, „Die Klavierspielerin“ und Filme von Sergej Eisenstein sind mit dabei. Warum die „Vögel“ bei Hitchcock angreifen, warum bei Lynch so häufig extreme Bösewichter auftauchen, und warum Pornographie konservativ und albern sein MUSS, mit all diesen Fragen und mehr beschäftigt sich Zizek. Für alle, die am Medium Film über Zerstreuung und Unterhaltung hinaus Interesse haben, wird sich der Film auf jeden Fall lohnen – egal ob man  immer übereinstimmt oder nicht.

Einen regulären Kinostart gab es leider nicht, auch wenn der Film (der bereits 2006 entstand) im März in einigen deutschen Städten zu sehen war. Die DVD von „A Perverts’ Guide to Cinema“ kann auf der Homepage des Films bestellt werden, und ist nach Informationen der Seite auch im Berlin Bookshop in der Dresdner Str. in Kreuzberg erhältlich.

9/10