Archiv für die Kategorie ‘Ja Ach!’

Toy Boy (DVD)

04/11/2009

Der US-Schauspieler Ashton Kutcher ist hierzulande eher als deutlich jüngerer Ehemann von Demi Moore und begeisterter Twitter-Nutzer bekannt. Einige kennen ihn vielleicht noch von der MTV-Show ‘Punk’d’. Sein Image als ‘Boy toy’ ist Teil des Konzepts von „Spread“ (Originaltitel), in dem Kutcher einen mittellosen, aber charmanten Jüngling namens Nikki spielt, der sich in L.A. von reichen Frauen aushalten lässt. Zu Beginn des Films macht er seine neueste Eroberung, eine reiche Anwältin (Anne Heche) mit schicker Villa in den Hollywood Hills.

Was folgt ist leider sehr vorhersehbar. Nikki nutzt seinen geliehenen Reichtum schamlos aus, erlebt nach ein paar weiteren Abenteuern die wahre Liebe, nur um dann festzustellen, dass die nicht so einfach zu haben ist – und er auch nicht mehr in sein bisheriges Leben zurückkehren kann. Kutcher schafft zwar den Spagat zwischen oberflächlichem Verführer und verlorener Seele, trotzdem hat seine Figur nicht genug Tiefe. Kein Wunder auch, denn statt einer schlüssigen Vergangenheit der Figur hat der Film nur einen Off-Kommentar zu bieten, in dem Nikki dem Publikum erklärt, wie das so genau zu laufen hat mit seinen vielen Eroberungen.

Statt einer interessanten oder bissigen Satire auf eine geldgeile, hedonistische und zynische Gesellschaft gibt es ein – von den für US-Verhältnisse sehr freizügigen und zahlreichen Sexszenen abgesehen – recht braves Drama, mit einer Mainstream-tauglichen Moral. Ein paar interessante Szenen fallen dabei ab, und das flotte Erzähltempo lässt „Spread“ auch kurzweilig vorüberziehen. Nur hängen bleiben tut leider nicht viel, und das ist so gut wie nie ein gutes Zeichen.

5/10

The Taking of Pelham 123

12/10/2009

Actionthriller sind durchaus das Metier von Regisseur Tony Scott, wie er etwa mit „Staatsfeind Nr. 1″ oder „Deja-vu“ bewiesen hat. Sein neuester Film fällt auch in dieses Genre und ist ein Remake eines gleichnamigen Films aus den 70ern, den ich allerdings nicht kenne. Die Story ist auf den ersten Blick simpel. Ein paar schwere Jungs entführen eine U-Bahn und fordern Lösegeld. Der grade diensthabende Zug-Koordinator wird wegen der permanenten Funkverbindung zum Vermittler.

John Travolta spielt Ryder, den Mastermind der Entführer, Denzel Washington gibt – mit ein paar Extrapfunden ausgestattet – den Bahn-Angestellten Garber. Soweit so gut? Nicht wirklich. Geiselnahmen sind nun wahrlich nichts neues im Kino, und sie laufen auch irgendwie immer gleich. Hin und wieder kann ein Film mit seinem Kniff überzeugen, wie zuletzt etwa „Inside Man“, aber „Pelham 123″ gehört leider nicht dazu. Die Story, das wird früh und wenig subtil angedeutet, hat noch ein paar Kniffe am Start. Einer davon ist Garbers Vergangenheit, ein anderer (Surprise!) die von Ryder.

Und so entwickelt sich die ohnehin nicht sehr spannende Story zu einem kleinen Ratespiel, wer da wohl eigentlich was im Sinn hat – ohne dass man allerdings genug Interesse für die Figuren aufbringt, um sich ernsthaft drum zu kümmern. Ryders Motive sind recht banal, seine Handlungen teils widersinnig, und Garber ist zwar ein netter Kerl und kein klassischer Held, aber auch nicht wirklich spannend. Die Unterhaltungen der beiden sind nicht schlecht geschrieben, aber viel zu künstlich.

Einzig James Gandolfini (besser bekannt als Tony Soprano) als New Yorker Bürgermeister hat mir gut gefallen, wohl auch weil seine Rolle (hat seinen Job satt und genug von Politik und Wahlkampf) ein wenig Originalität mitbringt. Im Gegensatz z.B. zu der von John Turturro, der als Verhandlungsspezialist schauspielerischen Dienst nach Vorschrift macht – mehr wird nicht verlangt. Blass bleiben auch die Geiseln, obwohl Zeit gewesen wäre, etwas nennenswertes aus ein paar Figuren zu machen.

Handwerklich und optisch gibt es wie meistens bei Tony Scott am Film nichts auszusetzen, und so dauert es ein Weilchen, bis man auf die Uhr guckt und sich fragt, wohin das Ganze eigentlich führen soll. „The Taking of Pelham 123″ hat ein paar gute Ansätze und einige spannende Momente zu bieten, verfehlt aber unter dem Strich das Klassenziel. Die Charaktere reißen nicht mit, die Story auch nicht wirklich, und es gibt nicht genug Action, um das vergessen zu machen. Zur Vertreibung von Langeweile und auch bei Schlaflosigkeit ist der Film eine Alternative, aber für knapp zwei Stunden Kino ist das zuwenig.

6/10

Adventureland

29/07/2009

Mit „Superbad“ hat Regisseur Greg Mottola einen der witzigsten Filme des letzten Jahres vorgelegt. Von allen Filmen aus dem Dunstkreis von Produzent/Regisseur Judd Apatow („40-yr-old Virgin“, „Knocked Up“) gehörte die Teenie-Komödie zu den besten, weil ungeschriebene Regeln des Genres locker-flockig und meist brüllend komisch übergangen wurden. Nun folgt mit „Adventureland“ der zweite Streich, dieses mal mit etwas älteren jungen Menschen im Fokus. Schauplatz ist Pittsburgh, man schreibt das Jahr 1987.

Gerade fertig mit dem College will James (Jesse Eisenberg) als nächstes an New York Citys renommierter Columbia-Universität Journalismus studieren. Für den Sommer davor ist ein Trip nach Europa geplant. Doch der fällt gleich zu Beginn ins Wasser. James’ Vater ist die Karriereleiter heruntergefallen, die Familie kann sich solche Extravaganzen nicht leisten. Was also tun? Ein Job muss her, und zwar schnell. Für handwerkliche Tätigkeiten kommt der von Literatur besessene Softie nicht in Frage, und so landet er als Aushilfe im nahe gelegenen Freizeitpark ‘Adventureland“.

Soweit die für coming-of-age-Filme nicht ungewöhnliche Ausgangssituation. Was folgt, ist ebenfalls die übliche Kost des Genres: ein paar romantische Verwicklungen, ein paar Albernheiten, ein bißchen Träumen von einer Zukunft, die nur endlich beginnen soll. Die Besetzung ist gelungen, die Darsteller spielen lebendig und authentisch, wenn sie auch keine allzu großen Szenen bekommen. Kristen Stewart („Into the Wild“, „Twilight“) ist als James’ große Liebe dabei, Ryan Reynolds („Wolverine“) spielt den Hausmeister/Frauenschwarm (eine seltene Kombination). Bill Hader (einer der Cops aus „Superbad“) ist auch mit dabei, dieses mal als preisbewusster Manager des Freizeitparks („Don’t give away ANY giant ass panda! We only have a few left.“).

„Adventureland“ mischt bekannte Zutaten zu einer durchaus unterhaltsamen Mischung aus Drama und Komödie. Wirklich beeindrucken tut das auch nicht, zumal mit „Thumbsucker“ oder „Igby goes Down“ zuletzt deutlich bessere Filme mit ähnlicher Thematik zu sehen waren. Es fehlt einfach die ein oder andere Überraschung, oder eine grundlegende Idee, die dem Geschehen ein Fundament geben könnte. James ist nun mal der x-te Geek, dem ein Kinofilm beim Erwachsenwerden zusieht, und er ist leider nicht unter den interessantesten Geeks, denen diese Ehre zu Teil wurde.

6/10

Crossing Over

25/06/2009

Die Grenze zwischen den USA und Mexiko hat schon häufiger in Filmen eine entscheidende Rolle gespielt. Zuletzt etwa im völlig mißratenen „Bordertown“, in „The Three Burials of Melquiades Estrada“ oder auch in „Babel“. Der Titel „Crossing Over“ läßt darauf schließen, dass es auch in diesem Film in erster Linie um die Grenze selbst geht, doch dem ist nicht so. Der Film behandelt in mehreren Episoden die Probleme von (illegalen) Einwanderern aus verschiedenen Ländern – nur eine Episode beschäftigt sich dabei mit Mexiko. Die Ähnlichkeiten mit dem Oscar-prämierten Drama „LA Crash“, was die Herangehensweise an das Thema angeht, sind nicht zu übersehen. Für einen Innovationspreis fällt der Film also schon mal aus.

Harrison Ford spielt den Grenzschutz-Veteranen Max Brogan, Ray Liotta ist als korrupter Beamter mit dabei, Ashley Judd als Anwältin für Einwanderungsrecht. Die übrigen Hauptfiguren sind eine australische Schauspielerin, ein israelischer Musiker, ein auf die schief Bahn geratener junger Koreaner, eine querdenkende Schülerin und eine persische Familie, deren scheinbare Assimilation im Laufe der Story hinterfragt wird. Insgesamt schafft es der Film, sein Thema aus vielen verschiedenen Blickwinkeln einzufangen, kann daraus aber nicht wirklich Kapital schlagen. Die komplexen Hintergründe, politisch wie sozial, werden bis auf ein paar Fingerzeige in Richtung 9/11 ignoriert. Die Figuren sind zwar weitgehend glaubwürdig entwickelt, doch bleibt keiner Figur genug Zeit das Publikum wirklich zu fesseln.

Um dem zuweilen arg tränendrüsigen Treiben einen Hoffnungsschimmer zu geben klingt an vielen Stellen die Bedeutung einer Green Card/Einbürgerung an, der große Stellenwert des amerikanischen Traumes – der nun mal amerikanischen Staatsbürgern vorbehalten ist. Eine große Einbürgerungszeremonie bildet dann auch das Finale des Films, in dem alle Handlungsstränge zu ihrem Ende geführt werden. Inszenatorisch ist das gar nicht schlecht, inhaltlich aber ist „Crossing Over“ zu dünn. Für eine fundamentale Kritik am System sind zuviele ausgleichende Töne drin, für ein packendes Drama zu viele Figuren. In die Laufzeit von 110 Minuten hat der Film immerhin genug sehenswerte Szenen hineingepackt, dass keine große Langeweile aufkommt, und er darf auch insgesamt als ernst- und gutgemeinter Versuch angesehen werden. Ein Versuch, der leider dem Mittelmaß nicht zu entkommen vermag.

5/10

Angels & Demons (Illuminati)

26/05/2009

EIgentlich wollte ich eine „richtige“ Kritik schreiben, aber irgendwie kann ich mich dazu nicht aufraffen. Ist auch schon eine Woche her, dass ich den Film gesehen habe, die Erinnerung ist also nicht mehr ganz frisch.

Was ich anbieten kann ist folgendes: „Angels & Demons“ ist storytechnisch ganz großer Quatsch. Der Plot beinhaltet tote Pfaffen (Kardinäle und einen Papst), Antimaterie(!) und eine fiese Verschwörung der ominösen Illuminaten gegen die katholische Kirche. Mittendrin hetzt Robert Langdon (Tom Hanks) mit einer hübschen Wissenschaftlerin (die man mit minimalem Aufwand aus der Story streichen könnte) vom Petersdom zu ein paar anderen Kirchen in Rom zurück zum Petersdom. Hin und wieder ist ein Witz eingebaut, am Ende werden versöhnliche Töne angeschlagen. Showdown und Auflösung sind schlicht und ergreifend grotesk.

Angucken kann man sich das ganze trotzdem ganz gut. Nur sollte man keinen ‘echten“ Thriller erwarten, der einen von den Sitzen reisst. „Angels & Demons“ plüstert sich gewaltig auf, brennt hell und heiss, und zerfällt dann doch zu Staub. Nach dem Film ist vor dem Film. Wo der „Da Vinci Code“ anfangs noch für Spannung sorgen konnte, weil Langdon und seine Gefährtin auf einem (scheinbar) selbstbestimmten Roadtrip waren, hat dieser Film nur Tempo, Action und Mummenschanz im Angebot. Das sorgt durchaus für Kurzweil, entlarvt den ganzen Käse aber auch ziemlich schnell als dramaturgisches Nullsummenspiel.

6/10

PS: Mein ursprüngliches Rating wäre eine 5 gewesen, aber irgendwie fand ich den Film rückblickend fast erfrischend bescheuert. Somit sind die Mai-Blockbuster allesamt mit 6/10 gestraft, und ich bete zum Himmel, dass es mit „Terminator Salvation“ im Juni bergauf geht…

Star Trek

13/05/2009

Als ausgemachter Nicht-Trekkie hat es mich schon einigermaßen überrascht, dass ich mir diesen Neustart des Franchises überhaupt (im Kino) ansehen wollte. Aber so ein richtig guter Trailer ist eben ein probates Lockmittel, und den „Star Trek“-Trailer habe ich dieses Jahr sicher schon 10 mal im Kino gesehen.

Produzent und Regisseur des Films ist J.J. Abrams, der unter anderem „Lost“ ins Leben gerufen hat, und vor ein paar Jahren mit „Mission: Impossible 3″ erste Schritte im Kino wagte. Nun soll er also „Star Trek“ neu beleben, hat dafür eine Menge junger Schauspieler angeheuert und lässt es im Vergleich zu früheren Filmen sehr viel heftiger Krachen.

Über fast die ganze Dauer des Films steht die beginnende Freundschaft zwischen Kirk und Spock im Mittelpunkt, von der offenen Konfrontation am Anfang bis hin zum beinahe schon blinden Verständnis am Ende. Dazwischen bevölkern weitere Neuausgaben der bekannten Figuren die Szenerie, Bones, Scotty und wie sie alle heißen.

Die Story ist von den Grundzügen her recht einfach – die neue Crew der Enterprise muss die Erde vor der Zerstörung retten. Neu ist allerdings der Ton, den „Star Trek“ dabei anschlägt, denn der Film kommt zuweilen eher daher wie eine Actionkomödie denn als Science-Fiction-Film. Neben den in-Jokes zu den Charakteren (von denen ich sicher nur die Hölfte kapiert habe) geht es recht häufig in Richtung augenzwingernder Klamauk.

Die Einführung der „neuen“ Helden ist durchaus gelungen, wenngleich „Star Trek“ das Rad nicht neu erfindet. Kirk als jungen Draufgänger zu inszenieren geht ja in Ordnung, aber die komplette Pose einfach stumpf von „Top Gun“ zu übernehmen ist dann doch recht mager (danke an Senor Dinsch für den Hinweis). Die Schauspieler machen insgesamt einen guten Job, insbesondere der neue Spock Zachary Quinto, bekannt als Bösewicht in „Heroes“, passt sehr gut in seine Rolle. Der bisher eher unbekannte Chris Pine als Kirk bringt weniger Charisma mit, dafür aber genug Enthusiasmus, um bis zum Schluss über die Runden zu kommen. Die Aufteilung ist recht simpel – Kirk ist der moderne Actionheld und Identifikationsfigur des jungen Publikums, Spock ist der Held und Sympathieträger aller Nerds.

Um aus „Star Trek“ einen echten Blockbuster zu machen hat Regisseur Abrams also an einigen Rädchen gedreht. Im Fokus hat er dabei sicher die Kernzielgruppe des Kinos, junge Menschen zwischen 15 und 25. Die bekommen, was sie gerne sehen: Weltraumschlachten, Monster, Tempo und Action im Überfluss, einen markigen Kerl in der Hauptrolle und ein paar witzige Nebenrollen. Die Rechnung scheint kommerziell bisher aufzugehen, der Film lässt seine ‘Vorgänger’ an der Kinokasse weit hinter sich. Für Nicht-Trekkies wie den Autor dieser Zeilen ist das allerdings recht bedeutungslos – einen weiteren Teil der Saga dürfte ich im Kino gerne verpassen. Denn insgesamt ist dieses neue Abenteuer der „USS Enterprise“ doch arg beliebig geraten. Wer nicht Fan der Figuren ist findet lediglich einen cineastischen Kessel Buntes vor – hat aber wenig Grund sich auf einen nächsten Teil zu freuen.

6/10

PS: Nächste Woche dann Mai-Blockbuster Nr. 3, „Angels & Demons“. Könnte ein Hattrick für die 6/10-Wertung werden…

The Spirit

02/04/2009

Frank Miller ist der Mann, dem das Publikum „Sin City“ verdankt. Er schrieb die Vorlagen und führte gemeinsam mit Robert Rodriguez Regie. Nun hat Miller zum ersten mal alleine Regie geführt, bei der Verfilmung von Will Eisners Comic (entschuldigung, graphic novel) „The Spirit“. Der Film ähnelt von seiner Anlage her durchaus „Sin City“, kommt leider aber in keiner Weise an dessen Klasse heran. Als Verantwortlicher für Drehbuch und Regie dürfte Miller selbst nicht ganz schuldlos sein, dass der Film vor allem dramaturgisch ein ziemlicher Rohrkrepierer geworden ist.

„The Spirit“ (Gabriel Macht) ist ein Ex-Cop, der als unverwundbarer Gesetzeshüter auf „seine“ Stadt Central City aufpasst. Sein Gegenspieler ist Dr. Octopus (Samuel L. Jackson), der in bester Bösewicht-Manier einen Plan zur Weltbeherrschung ausgeheckt hat. Dabei kommt ihm allerdings die Jugendliebe des Helden, Sand Saref (Eva Mendes), in die Quere. Denn die gelangt versehentlich in den Besitz der begehrten Vase, die Octopus zur Macht verhelfen soll.

Optisch geht „The Spirit“ ähnliche Wege wie „Sin City“, dunkle Farben, krasse Kontraste und ein extrem künstlicher Comic-Look stehen dem Film auch nicht schlecht. Bis auf ein paar unglaubwürdige Effekte kann „The Spirit“ mit seinem Look durchaus punkten. Leider überwiegen ansonsten doch eher die Schwächen. So ist etwa die Story bestenfalls mittelmäßig und die Hauptrolle grundsolide fehlbesetzt. Eine düstere Welt wie Central City braucht einen düsteren Helden, doch Gabriel Macht stolpert eher als sturer Schuljunge aus einer mexikanischen Telenovela durch den Film, was zum Teil einfach lächerlich wirkt.

Der (unvermeidliche) Off-Kommentar enthält zu viel BlaBla, die Bösewichter um Jackson (u.a. Scarlett Johansson als Assistentin) sind allzu albern, und schon der erste Kampf zwischen Spirit und Octopus besticht vor allem durch dummes Gequatsche und Sinnlosigkeit. Die wenigen guten Szenen des Films sind Eva Mendes vorbehalten, die ähnlich wie in „The Women“ allen die Schau stiehlt, weil sie als einzige etwas Feuer versprühen kann. Eine Handvoll gelungener Szenen und der besagte schicke Look vermögen „The Spirit“ nicht über die Zeit zu bringen. Auch eine skurille Einstellung, in der Jackson und Johansson (warum auch immer) als Nazis verkleidet vor Hitler-Portraits und mit der deutschen Hymne im Hintergrund ihren Masterplan erklären kommt über ein Nummernrevue-Feeling nicht hinaus.

Gänzlich unguckbar ist „The Spirit“ nicht, er hat auch seine guten Momente. Insgesamt aber ist der Film nicht zu empfehlen. Irgendwie kann er sich zwischen seinen albernen Figuren und dem düsteren Setting nicht entscheiden, im Ergebnis lässt einen das Geschehen bis auf wenige Ausnahmen kalt. Immerhin ist er mit 105 Minuten Spielzeit nicht auch noch zu lang.

5/10

Inside Hollywood (What Just Happened)

26/03/2009

Komödien oder Satiren über das Showgeschäft sind keine einfache Sache. Mir fallen spontan nur zwei gute Filme ein, Robert Altmans „The Player“ und Barry Levinsons „Wag the Dog“. Wobei letzterer eher eine Polit-Farce war. Nun denn, Barry Levinson ist auch der Regisseur von „Inside Hollywood“, der das Leben von Produzenten, Autoren und Darstellerns in Hollywood auf die Schippe nimmt. Oder auch nicht, denn der Film kann sich nie so richtig entscheiden, ob er gemein und lustig sein will, oder doch nett und dramatisch. Das Ergebnis ist dem entsprechend kein sehr gelungener Film.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Produzent Ben (Robert De Niro), der an einigen Fronten zu kämpfen hat. Geschäftlich wäre das ein Film, dessen Ende umgeschnitten werden soll, was der Regisseur vehement ablehnt. Der Star des nächsten Films (Bruce Willis spielt sich selbst) weigert sich, seinen Vollbart abzurasieren. Sein Privatleben ist ebenfalls kompliziert, zwei Ex-Frauen und drei Kids wollen umsorgt werden – dabei hängt Ben eigentlich den ganzen Tag immer und überall nur am Telefon, meist per Headset, wie auch die Kollegen.

„Inside Hollywood“ geht recht vielversprechend los, mit einem richtig mies laufenden Test-Screening. Doch es wird schnell deutlich, dass der Film sich all die möglichen bösen Spitzen gegen die Gepflogenheiten in Hollywood entweder ganz spart oder im Nachhinein wohlwollend rehabilitiert. Und so kommt ein unterhaltsamer, gefälliger Film über das Drehen von Hollywoodfilmen hinaus. Interessante Einsichten in die Branche sind ebenso Fehlanzeige wie richtige Lacher. Diesem Portrait Hollywoods aus dem Blickwinkel Hollywoods geht jede Tiefenschärfe ab, die Kämpfe um Story und Schauspieler hat man so oder ähnlich schon ein Dutzend mal gesehen.

Fazit: Der Gang ins Kino lohnt sich nicht. Wer sich für Hollywood und seine Filme begeistert wird ausreichend unterhalten, aber weder können die dramatischen Elemente wirklich mitreißen, noch bringen die komischen Elemente einen ausreichend zum Lachen.

5/10

RocknRolla

18/03/2009

Guy Ritchie erschien Ende der 90er als eine Art britischer Tarantino auf der Bildfläche und lieferte mit „Bube, Dame, König, GrAS“ und „Snatch“ zwei erfolgreiche, witzig-unterhaltsame Gangsterfilme. Dann hat er Madonna geheiratet, drehte mit ihr „Swept Away“, einen schlechten Film und kommerziellen Flop, schließlich mit „Revolver“ einen sinnfreien over-the-top-Brecher von einem Film, der hierzulande gar nicht erst in die Kinos kam.

Bevor Ritchie Ende des Jahres mit seiner Verfilmung von „Sherlock Holmes“ (Robert Downey Jr. und Jude Law als Holmes und Watson) ein großes Comeback feiern will hat er mit „RocknRolla“ noch einmal ganz auf seine bewährten Rezepte zurückgegriffen. Mehrere Gruppen von kleinen und großen Ganoven jagen denselben Geldkoffern hinterher, und der Zufall/die Story sorgt dabei für haarsträubende Szenen, in denen dann alle aufeinandertreffen. Das Milieu ist wie gewohnt eher proletarisch, neben dem obligatorischen Big Boss gibts dazu einen Abramowitsch-Verschnitt inklusive Fußballstadion, einen drogensüchtigen (Ex-)Rockstar und eine zuckersüße „Buchhalterin“.

Die Gesichter sind weitgehend bekannt, neben Tom Wilkinson und Gerard Butler sind auch Thandie Newton und Ludacris dabei. „RocknRolla“ macht durchaus Spaß, bietet er doch die bekannte Mixtur aus schrägen Überfällen, explosionsartigem Soundtrack und hohem Erzähltempo. Es fällt aber auch auf, dass Ritchie hier wirklich gar nichts neues eingefallen ist, und so gerät der Film mit zunehmender Spieldauer (von insgesamt fast zwei Stunden) zum Langweiler. Die Figuren haben nicht genug Profil, um echtes Interesse beim Publikum zu wecken, und die Story ist letzten Endes zu beliebig um für Spannung zu sorgen. Nette Kost also für einen Videoabend, auf dem auch geredet werden darf, der Gang ins Kino dürfte sich (ausser für eingefleischte Fans) eher nicht lohnen.

5/10

96 Hours (Taken)

17/03/2009

Liam Neeson ist ja nicht unbedingt als Actionheld bekannt, sondern eher als guter Charakterdarsteller. Am bekanntesten ist sicherlich seine Rolle als Schindler in Spielbergs „Schindlers Liste“. Nun verleiht er diesem Actionreißer mit seiner seriösen Star-Power ein wenig Glaubwürdigkeit, und die hat der von Luc Besson geschriebene und produzierte Film auch nötig. Die Story ist schnell erzählt: Neeson spielt einen amerikanischen Ex-Agenten, dessen Tochter in Paris entführt wird. Nix wie hin also, die Fährte aufnehmen, die Schuldigen niederschießen oder mindestens vermöbeln – dann geht es zurück zum Happy-End in den USA.

So einfach die Mittel, so effektiv wird die Story erzählt. Durch den guten Hauptdarsteller umschifft „96 Hours“ geschickt das Prädikat „ganz stumpfer Mist“, kann aber nicht ganz verhehlen, dass das Geschehen schon im Drehbuch mit recht grobem Pinselstrich entwickelt wurde. Hin und wieder ist gar was aus der Rubrik „unfreiwillig komisch“ dabei („I have a very particular set of skills.“ – das dient wohl eher der Information des Zuschauers als den Entführern), aber handwerklich kann sich der Film schon sehen lassen. Für Menschen, die Brutalität im Kino gern umfahren, ist der Film sicher nichts, an den Stumpfsinn von „Far Cry“ oder die Ultra-Brutalität von „Punisher – War Zone“ kommt er aber bei Weitem nicht heran.

Mit französischem Geld in Frankreich von einem französischen Regisseur mit englischsprachigen Hauptdarstellern gedreht konnte „96 Hours“ in den USA richtig abräumen, über 120 Mio. $ hat der Film dort eingespielt. Der geschickt gesetzte Start (zur „Unsaison“ des Jahres) hat dazu sicher seinen Teil beigetragen. In Deutschland hat sich dieser Erfolg nicht wiederholt, hierzulande gab es mit zahlreichen Oscar-Filmen aber auch mehr Konkurrenz. Luc Besson, der schon mit der „Transporter“-Reihe in Übersee Kasse zu machen wusste, wird sicher freuen, dass sein Plan aufgegangen ist. Nur ein Film, der ernsthaft zu empfehlen wäre, ist leider wieder nicht dabei rausgekommen.

5/10