Archiv für März 2009

Neue Optik der FSK-Freigaben

März 31, 2009

Bei Zigaretten sehe ich die übergroßen Warnhinweise auf den Schachteln ja ein. Aber warum die Bundesregierung zum 01.04.2010 nun für Filme und Spiele riesige Hinweise zur Altersfreigabe auf dem Cover beschlossen hat ist mir nicht begreiflich. Sicher, die Freigaben sind nun deutlicher sichtbar, und sie verschandeln jedes schicke Cover – aber wem soll das nützen? [Den Teil der Argumentation, in dem die Games und Filme aus dem Netz geladen werden spar ich mir hier lieber gleich...]

Familienministerin von der Leyen begründet die Maßnahmen unter anderem so:

„Für alle Eltern, die ihre Kinder schützen, und Kontrollbehörden, die verantwortungslose Verkäufer überführen wollen, ist das ist ein gewaltiger Fortschritt.“ [http://www.direktzu.de/vonderleyen]

Wenn Kontrollbehörden Verkäufer kontrollieren würden, wäre es doch egal, wo die FSK-Freigabe steht. Man findet sie auch da wo sie jetzt ist – auf der Rückseite unten links. An ihren Kindern interessierte Eltern wissen das. Verkäufer wissen das. Ob sie in strittigen Fällen nach dem Alter fragen oder lieber Umsatz machen hat mit der Platzierung der Logos nichts zu tun. Weiterhin: Es wäre kein Problem, Geschäften vorzuschreiben, dass ihre Filme nach Altersfreigaben geordnet werden müssen, so wie es auch jetzt schon Pflicht ist, FSK-18-Titel gesondert auszustellen. Da blieben auch nicht mehr viele Fragen offen…

Noch ein Argument gegen dieses Vorgehen: Videotheken sind zumeist nur für Volljährige zugängig. Wer soll da geschützt werden? Die Option verschiedene Cover zu drucken ist aber ausdrücklich untersagt. Warum? Und mal ganz praktisch gefragt: Filme mit FSK 12 dürfen im Fernsehen z. T. schon nachmittags, Filme ab 16 um 22:00 Uhr gezeigt werden. Davor kommt jeweils ein Hinweis auf die Freigabe, im Film ist davon aber nichts mehr zu sehen. Warum blendet man da nicht permanent die Altersfreigabe ein? Große Aufkleber lässt der Gesetzgeber übrigens auch nicht zu – die könnten ja entfernt werden. Sicher könnten sie das – nach dem Kauf, wo es dann auch egal ist.

Ein Blick ins Ausland: In England ist ein Freigabe-Logo auf dem Cover längst Pflicht. Ein kleines Rechteck bei den unteren Stufen, ein kleiner roter Kreis bei den höheren. Nicht sehr störend, aber auch nicht zu übersehen. Anyone?

Es gibt wahrlich andere Probleme im Lande, aber bei Ansicht der riesigen FSK-Freigaben muss man sich schon fragen wie so ein Gesetz zustande kommen kann, dass ganz offensichtlich von Menschen ohne viel Verständnis von der Praxis geschrieben wurde. Der Schutz von Kindern ist eine ernste Sache, mit solcher Augenwischerei wird er aber nicht verbessert. Und das ist nun wirklich traurig. Ein bißchen erinnert das an all die Politiker, die nach mehr Zivilcourage in der Öffentlichkeit rufen, ohne je eine U-Bahn betreten zu haben. In der ersten Klasse im ICE von Berlin in den Wahlbezirk zu pendeln ist jedenfalls nicht so ganz das gleiche…

Elegy (DVD)

März 31, 2009

Eine Story über einen einsamen alten Professor, der eine Beziehung mit einer hübschen Studentin eingeht, könnte locker nach hinten losgehen. In „Elegy“ fügt sich das Ganze aber zu einem ansehnlichen Drama, was nicht zuletzt den herausragenden Hauptdarstellern Ben Kingsley und Penelope Cruz zu verdanken ist. Der Film der Spanierin Isabel Coixet zeichnet glaubwürdige und interessante Figuren, denen der Zuschauer gerne folgt.

Literaturprofessor David (Kingsley) trifft auf die schöne kubanische Studentin Consuela (Cruz). Aus einer kurzen Affäre wird bald mehr, oder es könnte mehr werden – wenn David sich drüber klar wäre, was er von dieser Liason eigentlich erwartet. Interessante Nebenfiguren (u.a. Peter Sarsgaard als Davids Sohn und Dennis Hopper als alter Weggefährte) runden das Geschehen ab. Die Geschichte folgt keinen ausgetrampelten Pfaden, sondern weiß an entscheidenden Stellen auch mal zu überraschen.

Ohne die glaubwürdige Darstellung von Kingsley und Cruz wäre „Elegy“ wohl nur eine gutgemeinte cineastische Versuchsanordnung. Mit den beiden ist ein Film mit Charakteren herausgekommen, für deren Geschicke sich das Publikum wirklich zu interessieren vermag – für ein Melodram ja nicht ganz unwichtig. Der Film ging letzten Sommer hier im Kino einigermaßen unter und ist nun auf DVD erhältlich.

7/10

„The Rum Diary“: Tatsächlich Drehstart…

März 31, 2009

Habe soeben den Top 100-Eintrag zu „Fear and Loathing“ geschrieben, und dabei kam mir die seit Jahren angekündigte Adaption von Hunter S. Thompsons großartigem „Rum Diary“ in den Sinn. Und siehe da, am 25. März dieses Jahres haben tatsächlich die Dreharbeiten begonnen. Johnny Depp spielt Thompsons alter ego Paul Kemp, außerdem dabei sind Aaron Eckhart („Two-Face“) und Richard Jenkins. Hooray! Ich habe schon geglaubt, Depp hat den Film über all die Piraten- und Tim Burton-Filme der letzten Jahre vergessen. Eine kurze Zusammenfassung der turbulenten Produktionsgeschichte des Films findet sich unter diesem Link…

Eine Top 100 der besten Bücher habe ich ja nicht geplant, aber „The Rum Diary“ wäre sicher mit drin. Wer sich gerade keinen Urlaub in der Karibik erlauben kann sollte ersatzweise ruhig mal einen Blick rein werfen… Seit 2008 gibt es das Buch unter dem gleichen Titel auch in einer deutschen Übersetzung.

Fear and Loathing in Las Vegas (Top 100)

März 31, 2009

Es gibt Filme, die fallen eindeutig in die Kategorie „love it or leave it“. Terry Gilliams Verfilmung von Hunter S. Thompsons „Roman“ ist sicher so ein Film, schon an der Vorlage haben sich ja die Geister geschieden. Der wilde Drogentrip eines Journalisten mit seinem Anwalt von LA nach Las Vegas ist ein Dokument der Späthippie-Ära, in denen die Ideale der Flower Power-Bewegung schon längst Risse zeigten, aber die Gegenkultur noch keineswegs am Ende war.

Die visuelle Umsetzung der zahlreichen Eskapaden der beiden Hauptdarsteller (jeweils genial: Johnny Depp und Benicio Del Toro) ist großartig. Regisseur Terry Gilliam nutzt unter anderem schiefe Kamaraeinstellungen und grotesk wirkende Effekte, um den Wahnsinn auf die Leinwand zu bringen. Las Vegas ist dabei ein perfekter Schauplatz, keine Stadt der USA steht so sehr für die Übertreibung und die inneren Widersprüche des US-Kapitalismus. Hinter den Exzessen und dem die grundlegende Spießigkeit der Stadt entlarvenden Humor hat „Fear and Loathing in Las Vegas“ auch noch mehr zu sagen, der Film ist ein Abgesang auf eine Zeit und einen Lebensstil, der heute nicht mehr vorstellbar ist.

Auch die zentralen, nachdenklichen Passagen der Vorlage kommen in „Fear and Loathing in Las Vegas“ – meist per Voiceover – nicht zu kurz. Hunter S. Thompsons Werk ist nicht eben arm an wilden, semi-autobiographischen Stories, aber diese ragt aus seinem Schaffen hinaus. Dass sich ausgerechnet Ex-Monty Python Terry Gilliam in seiner kompromisslosen Art dem Stoff angenommen hat ist ein großer Glücksfall. Ebenso die Auswahl der Hauptdarsteller Depp und Del Toro.

Randnotizen: Heute (für das Geld) wohl nicht mehr dabei wären im Film übrigens Tobey Maguire und Cameron Diaz, die jeweils kleine, aber feine Nebenrollen besetzen. Johnny Depp wird in der „Rum Diary“-Verfilmung offenbar noch einmal ein alter ego von Hunter S. Thompson spielen – das Projekt ist aber auch schon seit Jahren angekündigt…

A Fistful of Dollars (Top 100)

März 30, 2009

Das typisch amerikanische Western-Genre lag 1963 in den letzten Zügen, späte Meisterwerke wie John Fords „The Man who shot Liberty Valance“ waren bereits gelaufen, da befreite man in Italien die Filme einfach von allem moralischen und geschichtlichen Ballast und inszenierte lakonische Ballerorgien um einsame Revolverhelden. Ich bin hier kein Experte und weiß nicht, ob „A Fistful of Dollars“ der erste dieser Filme war, jedenfalls ist er in meinen Augen das beste Beispiel. Clint Eastwood spielt  den wortkagen Fremden (in den Credits als Joe geführt), der sich in einer US-Grenzstadt bei den rivalisierenden Banden ins Gespräch bringt – indem er ein paar Leute über den Haufen schießt, natürlich.

Unterlegt von einem herrlichen Score Ennio Morricones entfaltet sich eine muntere Handlung um allerlei Grenzgeschäfte, Waffen und alte Feindschaften. Eastwood, der den Film unter der Regie von Sergio Leone für $25 000 in Italien drehte, hatte den Film angeblich nach Drehschluss schon abgeschrieben. Leone schickte ihm eine fertige Kopie nach Hause, wo Eastwood vom Ergebnis angenehm überrascht war. Ich bin selber kein großer Western-Fan, es werden sich insgesamt glaube ich drei oder vier in dieser Liste finden. „A Fistful of Dollars“ gehört aber ganz sicher hierher, schon weil er dem kruden Genre des Spaghetti-Westerns zu weltweiter Aufmerksamkeit verhalf, und auch heute noch wunderbar anzusehen ist. Mit den „Zwei Glorreichen Halunken“ haben Eastwood und Leone gleich noch einen herrlichen Film gedreht, der zweite Teil der Reihe („For a few Dollars More“) ist dagegen weniger interessant.

[Note to self: Mal wieder den ersten "Django" gucken.]

News und Gedöns

März 30, 2009

So, habe vergessen am Wochenende das Standbild hier anzumachen, war auf einer kleinen Exkursion in Frankfurt-Bockenheim. Nun gehts hier weiter, z. B. mit einem längst überfälligen Artikel zu den letzten Filmen mit Nicolas Cage von Voynaristic.com. Der Autor rät Cage, mal den Agenten zu wechseln, was ich gerne unterschreibe. Auch wenn sein nächster Film „Knowing“ mal wieder die Ausnahme der Regel sein sollte…

Harold Ramis hat gegenüber MTV.com bestätigt, dass es einen neuen „Ghostbusters“-Film geben soll, wie Cinema.de berichtet. Man könnte natürlich Fragen, ob das wirklich Not tut…aber geschenkt. Der Mann braucht schließlich auch eine Rente.

Das Kinoprogramm ist ja nicht eben ein Anlass zur Freude in diesen Tagen. „Kaufhaus Cop“, „Männersache“ und „Prinzessin Lilifee“ sind die Top 3 des Wochenendes (laut SpiegelOnline). Allesamt Filme, die mich dazu bringen, mal wieder ein Buch zu lesen („The Three Stigmata of Palmer Aldritch“). Die Rap-Saga „Notorious“ ist da schon interessanter, allerdings hört man wenig Gutes drüber – da warten wir mal auf die DVD…

Ab Donnerstag wirds dann wieder besser. Über „Rachels Hochzeit“ wird hier was zu lesen sein, und auch über „Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile“. Letzterer wird wohl vom Anspruch her überschaubar sein, aber wenn schon der katholische „Filmdienst“ schreibt, der Film sei „in seiner wortkargen Gradlinigkeit…ebenso konsequent wie überraschend unterhaltsam“, dann bin ich dabei. Wenn es schon mal kracht, dann doch bitte im Kino.

Gladiator (Top-100)

März 28, 2009

Die große Zeit der Sandalenfilme (herrlicher Name für ein Genre) ist spätestens seit den späten 60ern vorbei, und es schien sie gegen Ende der 90er auch niemand so recht zu vermissen. Mit modernen Computertricks a la „Matrix“ konnte man sich ganz eigene Welten erschaffen im Kino, der Glanz der prächtigen Kostümschinken konnte da längst nicht mehr mithalten. Doch dann dachten sich die Jungs bei Dreamworks und Universal, dass es Zeit für ein kleines Revival wäre, und heraus kam „Gladiator“. Der Film machte Russell Crowe endgültig zum Star, spielte mächtig viel Geld ein und durfte am Ende sogar den Oscar als „Bester Film“ mit nach Hause nehmen.

Nun ist „Gladiator“ wohl nicht als Geschichtsstunde geeignet, der Film erzählt seine Geschichte mit eher losen Bezügen zu historischen Figuren und Wirklichkeiten. Aber das macht auch überhaupt nichts, im Gegenteil, es nimmt dem Film die Last irgendeiner historischen Großtat, der man gerecht werden müsste. Die Story kreist um einen herrsüchtigen Kaiser (Joaquin Phoenix als Commodus), der seinen Vorgänger und Vater umgebracht hat, inzestuöse Gelüste nach seiner Schwester hegt und dem Demokratie in Rom ein Greul ist. Sein Gegenspieler ist Maximus (subtile Namenswahl, gelle?), ein von Crowe gespielter General, der den illegitimen Machtansprüchen von Commodus im Weg steht.

Nach seiner Flucht landet der verletzte Maximus bei Sklavenhändlern, wo er sich ob seiner Kampfkünste bald einen Namen als Gladiator macht und so seinen Weg nach Rom findet – und im Colosseum dann doch noch die Chance bekommt, sich an Commodus für den Tod seiner Familie und des alten Kaisers zu rächen. Das alles ist nicht sonderlich originell, aber das clevere Drehbuch variiert die klassischen Rollen und Figuren zu einem unterhaltsamen Potpourri. Die guten Darsteller sowie Ridley Scotts souveräne Regie sorgen für das nötige Maß an Glaubwürdigkeit, die sehenswerten Actionszenen und der köstliche, vor Pathos triefende Score von Hans Zimmer für den Event-Charakter. „Gladiator“ ist handwerklich perfekt gemacht, hat aber eben auch noch das gewisse Etwas, das einem auch beim dritten oder vierten mal gucken noch vergnügt dranbleiben lässt.

A Fish Called Wanda (Top-100)

März 28, 2009

Ich würde hier ja jetzt gerne eine anständige Kurzkritik schreiben, muss aber erstaunt feststellen, dass ich den Film dafür wohl viel zu lange nicht gesehen habe. Ich erinnere mich an viele großartige Szenen, aber die eigentliche Story kriege ich kaum mehr zusammen – was bei Komödien ja nicht ganz so schlimm ist. Es ging da irgendwie ein Diamantenraub vonstatten, wobei der Aufenthaltsort der Beute unklar ist. John Cleese ist jedenfalls mit dabei, als vermeintliches Opfer eines Gaunerpärchens, bestehend aus Kevin Kline und Jamie Lee Curtis. Mehrere Hunde kommen im Laufe des Films zu Tode, der „Fisch namens Wanda“ hat auch seinen Auftritt, und das Ende spielt am Flughafen.

Tja, und viel mehr bekomme ich nicht mehr zusammen. Die Lösung kann nur heißen: ich muss mir „A Fish Called Wanda“ demnächst nochmal reinziehen, und werde dann sicher etwas mehr zu berichten haben als den vagen obigen Absatz!

Steve McQueen – The Movie und mehr…

März 27, 2009

Wie die FAZ online in ihren Kinonews meldet wird das Leben von Hollywoodstar Steve McQueen verfilmt. Man darf gespannt sein, in erster Linie natürlich darauf wer die Hauptrolle spielen soll. Wer hält sich für cool genug?

Noch ein Bio-Picture: Anne Hathaway wird in der Verfilmung des Lebens von Judy Garland („The Wizard of Oz“) die Hauptrolle übernehmen.

Gut zu wissen auch, dass Woody Allen weiter fleißig ist. Neben dem bereits abgedrehten „Whatever Works“ füllt sich schon die Besetzungsliste für den nächsten Film. Naomi Watts, Anthony Hopkins, Antonio Banderas und nun auch Nicole Kidmann werden dabei sein. Eine recht ungewöhnliche Mischung. Mal sehen was Woody damit anzufangen weiss…

Der Baader Meinhof Komplex (DVD)

März 27, 2009

Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist in Deutschland ein größeres Thema als anderswo. Bevorzugtes Objekt der Aufarbeitung ist immer noch das dritte Reich, doch auch das Treiben der ‘Rote Armee Fraktion’ (RAF) und der Linksterrorismus der 70er werden gerne genommen. Mit der Verfilmung des Standardwerks zum Thema, dem „Baader Meinhof Komplex“ von Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust, hat Produzent Bernd Eichinger wohl nichts geringeres im Sinn als den ultimativen Film über den Linksterrorismus in Deutschland zu drehen. Dazu hat er unter der Regie von Uli Edel („Christiane F.“) fast alle bekannten deutschen Schauspieler zu einem großen Ensemblefilm versammelt, der von der Ermordung Benno Ohnesorgs über die Gründung und den Terror der RAF, Stammheim und die Schleyer-Entführung nichts ausläßt.

Da hat sich der Film recht viel vorgenommen, zumal ein Buch von 670 Seiten sich nicht in 150 Minuten erzählen lässt. In den starken ersten 30 Minuten zeichnet der „Baader Meinhof Komplex“ ein gelungenes Portrait der Ausgangsituation Ende der 60er Jahre. Die Proteste gegen den Vietnamkrieg, der Tod von Benno Ohnesorg, den Kampf gegen die Springer-Presse, dazu die Nachrichten von der Ermordung Robert Kennedys und Martin Luther Kings sowie das Attentat auf Rudi Dutschke. In dieser anti-bürgerlichen Stimmung gründet sich die RAF,  und so stehen die Terroristen Ulrike Meinhof (Martina Gedeck), Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) von nun an im Mittelpunkt.

Der Film verfolgt die Gruppe von ihrer Gründung bis zum Ende, alle bekannten Stationen und Aktionen, doch er bekommt sie trotzdem nicht richtig zu packen. Die Wortgefechte zwischen den Mitgliedern, der Kampf um die richtige Haltung, das alles liefert kaum schlüssige Erklärungen – vielleicht kann es die für den Terror der RAF aber auch nicht so einfach geben. Die Geschichte des Films (nicht der RAF) endet im Gefängnis von Stammheim und mit der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer.

Die einzig nennenswerte Nebenhandlung thematisiert die Bemühungen des BKA (in der Person des damaligen Präsidenten Horst Herold, gespielt von Bruno Ganz) dem Terror Einhalt zu gebieten. Diese Szenen sind gut gemacht, auch wenn sie zuweilen etwas belehrend und ans Publikum gewandt daher kommen. Das sonstige politische Geschehen der Zeit ist lediglich im Hintergrund präsent.

Als Thriller zeigt der Film manche guten Ansätze, entwickelt aber aufgrund der weitgehend bekannten Tatsachen keine sehr große Spannung. Von der Produktion und Ausstattung her haben Eichinger und sein Team ganze Arbeit geleistet. Die Schauplätze sind immer realistisch, ebenso die recht zahlreichen Feuergefechte und Explosionen. Insgesamt hält der Film in dieser Hinsicht ein – gerade für deutsche Verhältnisse – sehr hohes Niveau.

Auf hohem Niveau pendelt sich auch das Schauspieler-Ensemble ein, allen voran die drei Hauptdarsteller. Das aus dem Trailer bekannte Gefühl, dass alle hippen deutschen Schauspieler demnächst als RAF um die Häuser ziehen, ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen. Da die Personen, die sie verkörpern, jedoch rein äußerlich nicht sehr bekannt sind, fällt es mit zunehmender Speildauer leichter, die Figuren hinter den Schauspielern zu sehen.

Der „Baader Meinhof Komplex“ kann seinem Publikum den Terror der RAF nicht vollständig begreiflich machen. Anschaulich hingegen werden die Geschehnisse dagegen sehr wohl. Über die Darstellung der Terroristen läßt sich sicher streiten. Werden sie zu sehr als Idealisten und antibürgerliche Rock-Stars, und zu wenig als kaltblütige Mörder portraitiert? Fehlt eine tiefere Auseinandersetzung mit der „Bonner Republik“ und dem westdeutschen ‘System’? Ein Film, der eine derart komplexe Geschichte erzählt, lässt zwangsläufig Fragen offen und mehrere Interpretationen zu.

Wer damals alt genug war, um das Thema zu verfolgen, der mag hierzu eine andere Meinung haben als ich. Mir fällt auf, dass die Studentenbewegung und der Kampf gegen das Establishment, ganz zu schweigen vom Selbstverständnis der RAF, sehr weit weg erscheinen. Wirklich verwundern tut das aber auch nicht, immerhin ist der kalte Krieg seit 20 Jahren vorbei, die DDR abgewickelt und der Traum vom „guten Spzialismus“ ausgeträumt. Man muss sich die Welt von BRD und RAF wohl wirklich als eine andere vorstellen.

7/10