Völlig überraschend landet auch Coppolas Über-Gangsterfilm in meinen Top 100. Noch stärker als „Taxi Driver“ hat dieser Film die populäre Kultur beeinflusst, ganz nebenbei die Karriere von Al Pacino durchgestartet und Marlon Brando zu einem furiosen Neubeginn verholfen. Was eigentlich so gut ist am „Paten“? Die Darstellung einer Schattengesellschaft von eingewanderten Mafiosi, die den amerikanischen Traum zur Geisel genommen haben und skrupellos ihre zwei Familien vor den Rest der Gesellschaft stellen ist eine meisterhafte Adaption von Mario Puzos Roman. Das Szenario ist in sich beängstigend schlüssig und real, dabei lotet der Film neben den gesellschaftlichen auch die persönlichen Facetten aus und widmet sich (dann im zweiten Teil) sowohl der Herkunft seiner Figuren wie auch ihrer Zukunft. Ein paar unvergessene Dialoge haben sich tief in kollektive Bewusstsein eingebrannt, schon die erste Einstellung ist großes Kino (Zoom auf den Rücken des Paten während der Bäcker seine Bitte vorträgt.. „I believe in America…America has made my fortune.). Immer wieder geil.
Archiv für Mai 2008
Der Pate Teil 1 und 2 (Top 100)
Mai 31, 2008Love Vegas (What Happens in Vegas)
Mai 28, 2008Rom-Coms funktionieren ja eigentlch immer nach demselben Schema – der einzige Unterschied besteht zumeist in der Hürde, die es für das zentrale Paar zu überwinden gilt, um zueinander zu finden. In „Love Vegas“ gehen Camaron Diaz und Ashton Kutcher aufeinander los, weil sie sich besoffen das Ja-Wort gegeben haben und gleich darauf einen Jackpot knackten – alles in Vegas natürlich. Den Rest des Films gehen sie dann solange mit allen erdenklichen Tricks aufeinander los, bis laut Drehbuch der Moment einsetzt, in dem sie beide was fürs Leben gelernt haben und sich doch noch total dufte finden. Laaangweilig! Retten können eine solch platte Story nur richtig gute Gags und überzeugende Hauptdarsteller, doch beide sind hier bestenfalls medioker und lassen keine rechte Freude am vermeintlichen Krieg der Geschlechter aufkommen. Ein bis vier gute Gags gibt es schon, der Rest ist bestenfalls tolerabel und auf unterem Sitcom-Niveau.
3/10
21 – Blackjack
Mai 26, 2008Filme rund ums Pokern gab es in den letzten Jahren zuhauf – nun bekommt auch Blackjack (manchen auch als „17 + 4″ bekannt) seinen eigenen Film. Mathe-Genie Ben (Jim Sturgess) möchte gerne in Harvard Medizin studieren, leider fehlt ihm dazu das nötige Kleingeld. Dieses wiederum verspricht ihm eine Gruppen von Kommilitonen (u. a. Kate Bosworth, die unter Anleitung eines Professors (Kevin Spacey) die Wahrscheinlichkeiten beim Blackjack soweit berechnen können, dass es sich lohnt. Zu diesem Zweck fahren sie wochenends nach Vegas und räumen kräftig ab – bis es zu Verwerfungen unter den jungen Zockern kommt. Als spaßiger Coming-of-Age-Film, in dem nichts zu ernst zu nehmen ist, geht „21″ wohl durch, vor allem dank des relativ flotten Erzähltempos. Das bunte Hin und Her wirkt dabei storymäßich recht schwerelos, selbst wenn der ganze Budenzauber wohl auf wahren Begebenheiten fußt. Keiner der Charaktere ist interessant und lebendig genug um aufrechtes Interesse am Geschehen zu wecken, viele Story-Kniffe sind sowohl voraussehbar wie auch altbekannt. Zum Vertreiben von Zeit ist „21″ geeignet, wer hier große Erwartungen hegt sollte sich das ganze lieber schenken.
5/10
Demnächst: Hancock
Mai 24, 2008Irgendwie bin ich Superhelden-Filmchen ja auch schon eher leid, wenngleich ich zumindest „Iron Man“ immer noch auf der Liste habe. Zum ersten Mal wagt sich nun auch Will Smith in die Rolle eines Superheros, allerdings entstammt „Hancock“ soweit mir bekannt ist nicht den „DC“ oder „Marvel“-Universen. Und „Hancock“ ist ein wenig eigenwillig – physisch unschlagbar, aber chronisch schlecht gelaunt und mit grundsolidem Alkohol- und Imageproblem ausgestattet. Für einen unterhaltsamen Sommer-Blockbuster der KEINE x-te Fortsetzung ist klingt das soweit überzeugend. Trailer gibts hier…
Taxi Driver (Top 100)
Mai 20, 2008Irgendwie hat „Taxi Driver“ so den Ruf, dass Filmnerds ihn einfach geil finden müssen. Kennen tun die meisten aber nur die „U talkin to me!?“-Szenen, Jodie Foster als 14-jährige Nutte und das Geballer am Ende – also mehr Bilder vom jungen De Niro, als die eigentlich Handlung. Der Film hat aber viel mehr zu bieten. Gleichermaßen Charakterstudie und Gesellschaftskritik, ist er im besten Sinne modern, bietet herrliche Bilder und einen Hammersoundtrack – um dann mit seinem innerlich zerrissenen Helden bis zum Äußersten zu gehen. Gleichzeitig vermeiden Scorsese und Auto Paul Schrader das dumpfe Gefühl, das Filme a la „Death Wish“ durchzieht, weil Travis Bickle gleichermaßen an sich selbst wie an der Welt, die er bewohnen muss, leidet. Viele Filme spielen in New York, nur wenige haben das Bild der Stadt so stark geprägt wie „Taxi Driver“. Und wenn ich die DVD da hätte würde ich ihn jetzt glatt mal wieder reinschmeissen…
Apocalypse Now (Top 100)
Mai 18, 2008Apocalypse Now: Lang, länger, Redux – Coppalas drogengeschwängerter Psychotrip ins „Herz der Finsternis“ des Vietnamkriegs ist ein hypnotisierendes, streitbares Spektakel, immer an der Grenze zum Wahnsinn und die grossartigste Verschmelzung von Road-Movie und Kriegsfilm, die ich kenne. Und ganz nebenbei ein herrliches Beispiel für einen Off-Kommentar, der nicht nur da ist, weil die Narrative ihren Job nicht macht. Schon die bis vor einigen Jahren geläufige Version mit knapp 3 Stunden Spieldauer hat die große, fiebrige Kraft entfaltet, die den Zuschauer auf die lange Reise flussabwärts mitnimmt. Immer wieder geil und daher wie ich finde ein gelungener Einstieg in die lange Suche nach meinen liebsten 100 Filmen.
Top 100 – Wie soll das laufen?
Mai 18, 2008Mit dem Erstellen einer Liste bin ich vorübergehend grandios gescheitert – zu viele Filme, zu viele ungeklärte Fragen, geht so gar nicht. Stattdessen wird es die Liste häppchenweise geben. Ich schreibe kurze Einträge (alle mit der Kategorie Top 100, können also gesammelt angeklickt werden) und beginne einfach mit den Filmen, die mir als erstes einfallen. Durchnummeriert wird nicht, ich wüsste nicht, wie ich entscheiden sollte ob ein Film eher Platz 87 oder doch 93 belegen sollte. Das scheint mir etwas albern zu sein. Los gehts nachher mit einem sicheren Kandidaten für eine mögliche All-Time Top 10-Liste (die es aber erstmal nicht geben wird). Enjoy! Oder so.
All-Time-Favorite Movies
Mai 11, 2008Ich trage mich schon länger mit dem Gedanken, mal eine Liste meiner absoluten Lieblingsfilme hier zu posten – nur ist das angesichts der großen Zahl von Filmen irgendwie ein schwieriges Unterfangen. Allein die Fragen, ob nach Genre geordnet wird oder nicht, ob es 50 Filme werden sollen oder 100, sind schwer zu beantworten. Letztlich ist das alles aber auch egal, denn was sich auf einer All-Time-Favs-Liste findet sollte schon Qualität (oder besser persönliche Wertschätzung meinerseits) aufweisen können, egal ob auf Platz 2 oder 62. Soweit die Theorie. Eine Liste ist also in Arbeit, und ich bin selbst gespannt wie das Ergebnis aussehen wird, ob mehr alte als neue Filme dabei sind (schätze eher ausgewogen), mehr bekannte als unbekannte Filme (schätze mehr bekannte).
Wahrscheinlich ist, dass es demnächst in Zehner-Schritten losgeht, mehr als ein paar Sätze zu den einzelnen Filmen wird es nicht geben – hin und wieder eine kurze Einordnung in meiner persönlichen Filmfan-Historie, den ich als Kind der „Pulp Fiction“-Generation gegangen bin. Die Liste wird sicherlich meine Vorliebe für Thriller/Dramen im Gegensatz zu Horror oder Rom-Coms wiederspiegeln, regelmäßige Leser dieser Seite wissen dass ein mittelmäßiger Neo-Noir eher mein Interesse weckt als z.B. hochgelobtes deutsches Kino oder Animationsfilme. Immerhin habe ich grade „Rambo“ geglotzt, während Fatih Akins „Auf der anderen Seite“ immer noch ungesehen im Regal steht.
Neben den klassischen Selbstgängern („Apocalypse Now“, läuft gerade mal wieder nebenbei) sind vielleicht ein paar Kandidaten dabei, die der ein oder andere Leser nicht so auf dem Schirm hat. Anspruch auf Vollständigkeit oder ultimative Wahrheit schließe ich vorübergehend aus, es gibt ja die theoretische Möglichkeit, dass mich mein Geschmackssinn trügt…
Ich lege dann jetzt mal los, erste Ergebnisse gibts hoffentlich Ende der Woche hier zu lesen.
Nur für wahre Cineasten…
Mai 11, 2008Roland Emmerich ist nicht bekannt für feingeistiges Kinos, sondern für unterhaltsamen Special-Effects-Unsinn, der im Idealfall – wie bei „The Day After Tomorrow“ – sogar noch ein bisschen konsensfähige Politik einstreut. Mit „10 000 B.C.“ lotet er dann aber auch im Vergleich mit seinen früheren Werken neue Untiefen aus. Ein paar Urmenschen im Kampf mit Mammuts, anderen Biestern und bösen Häschern hat er sich einfallen lassen, doch schon die Special-Effects sind enttäuschend schwach, ganz schweigen von der beliebigen Abenteur-Story und dem historisch wenig schlüssigen „Hintergrund“. Fakt ist, dass ich das Ende des Films nicht mehr erlebt habe und auch sicher keinen erneuten Versuch starten werde, es doch noch bis zu den Credits zu schaffen.
2/10
Nach seinem gelungenen Comeback als „Rocky Balboa“ hat sich Sly Stallone nun auch noch mal als „Rambo“ versucht, ebenfalls unter eigener Regie. Wie schon in den anderen Fortsetzungen lebt John Rambo anfangs stoisch und einigermaßen friedlich vor sich hin, um dann doch vom Ruf des Abenteuers reaktiviert zu werden. Die gute Nachricht: „Rambo“ bietet keine ideologisch verbrämte Geschichtsverzerrung oder Propaganda wie die Teile zwei und drei. Die schlechte Nachricht: er bietet auch sonst nicht viel. Nachdem einige zivile Helfer in die Fänge der burmesischen Junta gelangen sieht sich Rambo gezwungen sie mithilfe eines Söldner-Trupps zu befreien. Den Rest kann man sich dann schon denken. Bemerkenswert ist allein die unsagbare Brutalität der martialischen Bilder. Körperteile zerfetzen, Blut spritzt durch die Gegend, jede Art der körperlichen Gewalt gegen Schuldige und Unschuldige wird ausgiebig zelebriert. Zuweilen ist sehr deutlich sichtbar, dass die Blutfontänen und Körperteile am Rechner entstanden, einen Unterschied macht das aber nicht. Die Bösewichter sind eindimensional sadistische Killer, politische oder kulturelle Erklärungen zur Situation bleiben aus, und Rambo selbst hat für die Naivität der Helfer bloss Verachtung übrig, ringt sich aber trotzdem dazu durch noch einmal den Killer in sich zu entfesseln. So ist der Film letztlich nichts weiter als eine blutrünstige Ballerorgie, die sich einen quasi-politischen Anstrich gibt. Aus der im ersten Teil mal als gebrochener Charakter erfundenen Figur Rambo wird nichts weiter rausgeholt als ein paar scheele Flashbacks – und die Erkenntnis, dass der Mann ohne sein Messer doch nicht leben kann.
4/10
Death Sentence
Mai 10, 2008Es ist noch nicht lange her, da gingen mit Jodie Foster die Pferde durch, weil eine geliebte Person sinnlos-brutal ermordet wurde. „The Brave One“ entpuppte sich trotz des altbekannten Thema als unterhaltsamer Film des gehobenen Mainstream-Durchschnitts. Nun erwischt es auch Kevin Bacon, genauer seinen Film-Sohn, der an einer Tankstelle ein er brutalen Gang zum Opfer fällt. Vor die Wahl gestellt den Täter für nur ein paar Jahre in den Knast zu bringen oder selbst tätig zu werden entscheidet sich der Familienvater und Versicherungsmanager – logisch – für die große Rachenummer. Die nimmt dann allerdings bald Formen an, die so nicht eingeplant waren, denn die Gangster lassen sich nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen.
Mangelnde Glaubwürdigkeit von Story und Charakteren fallen bei „Death Sentence“ sofort ins Auge, auch wenn mindestens Kevin Bacon einen sehr guten Job macht. Letztlich wird der Film zum Zwitter aus blutrünstig-fataler Ballerorgie und quasi-anspruchsvollem Rache-Drama, das den Spagat aber nur mit einigen Zugeständnissen an Logik, Charaktertiefe und Konsequenz eben gerade so hinbekommt. Wem man den Streifen dann eigentlich verkaufen will, oder auch was der ganze Budenzauber eigentlich bedeuten soll bleibt unklar.
5/10