Was macht eigentlich..Kevin Spacey

November 7, 2009 von edzehard

Es ist schon eine Weile her, dass Kevin Spacey im Kino einen größeren Hit gelandet hat. Der aus New Jersey stammende Schauspieler wurde Mitte der 90er Jahre bekannt, nach Nebenrollen in Filmen wie „Henry and June“ oder „Glengarry Glen Ross“ nahm seine Karriere mit „The Usual Suspects“, „Die Jury“ und „LA Confidential“ richtig Fahrt auf. Schließlich folgte mit seiner Rolle als Lester Burnham in „American Beauty“ von 1999 der vorläufige Höhepunkt, komplett mit Oscar und allem Pipapo.

Schon kurz nach diesem Erfolg allerdings wurde klar, dass Spacey nicht im Sinn hatte, das größstmögliche Kapital aus seinem Erfolg zu schlagen. Seine nächsten Projekte („The Shipping News“, „K-PAX“) zielten nicht auf das ganz große Publikum, erst der – wie ich finde – inhaltlich problematische Thriller „The Life of David Gale“ war 2003 wieder ein (geplanter) Erfolg. 2006 gab er in „Superman Returns“ den Nemesis Lex Luthor, keine ganz schlechte Rolle, aber schon mit dem Beigeschmack, dass die Kasse gefüllt werden muss…

In der Zwischenzeit aber hat sich Spaceys Arbeitsschwerpunkt verändert. Seit 2003 ist er künstlicher Leiter des ‘Old Vic’-Theaters in London, und offenbar glücklich mit dem Job. Hin und wieder macht er mal in einem Film mit, etwa 2008 im Pokerthriller „21″, sicher nicht schlecht bezahlt – aber auch kein ganz schlechter Film. Dieses Jahr war Spacey wieder etwas aktiver, allerdings ist das in Deutschland noch nicht angekommen. „Moon“, in dem er einem Hal-9000-artigen Computer seine Stimme leiht, hat gute Kritiken gekriegt in der Welt, aber noch keinen deutschen Starttermin. Ähnliches gilt für die Indie-Produktion „Shrink“, in dem Spacey einen unglücklichen, dauerbekifften Psychiater spielt, dem seine eigenen, in Bestseller-Form gegossenen Anleitungen zum Glücklichsein nicht mehr weiterhelfen.

Und dann ist da noch die mit einigem Aufwand beworbene Militär-Farce/Komödie „The Men Who Stare At Goats“, in dem Spacey an der Seite von George Clooney, Ewan McGregor und Jeff Bridges spielt – in den USA und andernorts bereits diesen Herbst, bei uns leider erst im Februar 2010. Wenn Spacey als Schauspieler wieder ins Rampenlicht zurückkehrt, dann sicher mit dem letztgenannten Film. Doch ob er das überhaupt will, darf ernsthaft bezeifelt werden.

Offenbar macht er sich nichts aus dem Hollywood-Ruhm – was natürlich immer gerne mal gesagt wird, aber auf jemanden, der außer Landes wohnt und nur alle paar Jahre einen Film mit Mainstream-Potential dreht, durchaus zutreffen dürfte. Einerseits ist das schade, andererseits geht Spacey wenigstens nicht dieselben Wege wie etwa Samuel L. Jackson (Spaceys Co-Star in „Verhandlungssache“ und einige Jahre lang gefühlt in jedem zweiten Film am Start) oder Al Pacino (eine gute Rolle höchstens alle fünf Jahre). Für 2010 hat Spacey mit „Father of Invention“ und „Casino Jack“ laut IMDB.com schon zwei Filme abgedreht – ein Funke scheint also noch zu brennen in Kevin Spacey, dem Hollywoodschauspieler… Gut zu wissen.

Die Oscar-Hosts für 2010 stehen fest..

November 4, 2009 von edzehard

..und wie SpiegelOnline hier berichtet werden Steve Martin und Alec Baldwin den Job übernehmen. Keine schlechte Wahl, wobei unklar ist, wie sich Baldwin schlagen wird – Steve Martin hat ja schon Erfahrung gesammelt als Oscar-Gastgeber. Mal sehen ob vor der Show im Februar auch noch bekannt gegeben wird, dass die Show ENDLICH um mindestens eine Stunde gekürzt wird…

Toy Boy (DVD)

November 4, 2009 von edzehard

Der US-Schauspieler Ashton Kutcher ist hierzulande eher als deutlich jüngerer Ehemann von Demi Moore und begeisterter Twitter-Nutzer bekannt. Einige kennen ihn vielleicht noch von der MTV-Show ‘Punk’d’. Sein Image als ‘Boy toy’ ist Teil des Konzepts von „Spread“ (Originaltitel), in dem Kutcher einen mittellosen, aber charmanten Jüngling namens Nikki spielt, der sich in L.A. von reichen Frauen aushalten lässt. Zu Beginn des Films macht er seine neueste Eroberung, eine reiche Anwältin (Anne Heche) mit schicker Villa in den Hollywood Hills.

Was folgt ist leider sehr vorhersehbar. Nikki nutzt seinen geliehenen Reichtum schamlos aus, erlebt nach ein paar weiteren Abenteuern die wahre Liebe, nur um dann festzustellen, dass die nicht so einfach zu haben ist – und er auch nicht mehr in sein bisheriges Leben zurückkehren kann. Kutcher schafft zwar den Spagat zwischen oberflächlichem Verführer und verlorener Seele, trotzdem hat seine Figur nicht genug Tiefe. Kein Wunder auch, denn statt einer schlüssigen Vergangenheit der Figur hat der Film nur einen Off-Kommentar zu bieten, in dem Nikki dem Publikum erklärt, wie das so genau zu laufen hat mit seinen vielen Eroberungen.

Statt einer interessanten oder bissigen Satire auf eine geldgeile, hedonistische und zynische Gesellschaft gibt es ein – von den für US-Verhältnisse sehr freizügigen und zahlreichen Sexszenen abgesehen – recht braves Drama, mit einer Mainstream-tauglichen Moral. Ein paar interessante Szenen fallen dabei ab, und das flotte Erzähltempo lässt „Spread“ auch kurzweilig vorüberziehen. Nur hängen bleiben tut leider nicht viel, und das ist so gut wie nie ein gutes Zeichen.

5/10

I love you, Beth Cooper

Oktober 28, 2009 von edzehard

Hayden Panettiere ist als Cheerleader mit außergewöhnlichen Fähigkeiten in der TV-Serie „Heroes“ bekannt geworden. Nun wagt die kleine blonde Schauspielerin den Sprung ins Kino, der Teenie-Film „I love you, Beth Cooper“ ist ihre erste nennenswerte Hauptrolle. Die Story ist genretypisch simpel gestrickt. Der nette, etwas trottelige Streber Denis gesteht bei der großen Highschool-Abschlussfeier vor der versammelten Schule seine Liebe zur hübschen Cheerleaderin Beth Cooper (Panettiere). Die ist zunächst wenig begeistert, geht aber auf die Einladung zu Denis’ kleiner Party am Abend ein.

Was folgt ist klassischer Teenie-Stoff. Beth und zwei Freundinnen schnappen sich Denis und seinen Kumpel Rich für eine Stritztour durch die Nacht, immer verfolgt von Beths Ex-Freund, einem beschränkten Soldaten. Die Stationen sind auch bekannt – eine große Party, ein Supermarkt zum Bier kaufen, ein Lagerfeuer im Wald, nächtlicher Besuch der Schule, ein abgelegenes Haus am See. Das ganze ist nicht schlecht gemacht, ein paar Lacher, ein wenig Action und einige Running Gags halten das Tempo hoch. Die jungen Schauspieler machen ihre Sache gut, können aber nicht überspielen, dass die Handlung eine recht seichte und überraschungsarme Angelegenheit ist.

Anders als zuletzt „Juno“ oder „Thumbsucker“ setzt „I love you, Beth Cooper“ eher auf den fernseh-konformen Mainstream und auf die Strahlkraft der bekannten Hauptdarstellerin. Das Konzept könnte für die überschaubare Zielgruppe durchaus aufgehen. Für Hayden Panettiere sicher keine schlechte Wahl, um sich mal außerhalb von „Heroes“ zu präsentieren. Wenn sie allerdings als Schauspielerin ernst genommen werden will (ich gehe irgendwie davon aus…), müsste wohl mal eine Rolle jenseits des Highschool-Sweethearts her – aber das kann auch noch warten, Panettiere ist ja grad mal 20 Jahre alt.

6/10

Was macht eigentlich…Josh Hartnett?

Oktober 28, 2009 von edzehard

Ich glaube, die Original „Was macht eigentlich..“-Kolumne stammt aus dem ‘Stern’, aber das macht ja nix. Ich werde mir den Ansatz mal ausleihen, um über einige Schauspieler zu schreiben, die irgendwie von der Bildfläche verschwunden sind. Erster Kandidat: US-Schauspieler Josh Hartnett, Jahrgang 1978, um die Jahrtausendwende rum ein bekannter Teenieschwarm mit markantem Kinn…(das hat er glaube ich immer noch).

Mit „Pearl Harbor“ wurde Hartnett anno 2000 bekannt, der Film legte sein Image als romantischer Frauenversteher fest. Daran konnte auch der Part in „Black Hawk Down“ ein Jahr später nichts ändern, schon weil die Zielgruppe eine gänzlich andere war und die Schauspieler im Film allesamt letztlich Statisten waren. Mit der romantisch-braven Sex-Komödie „40 Days and 40 Nights“ konnte Hartnett wiederum ein Jahr später beim (sehr jungen) weiblichen Publikum punkten, machte es sich auf den Zeitschriften-Coverseiten bequem. Doch dann geriet die steile Karriere etwas ins Stocken.

„Hollywood Homicide“, der Cop-Film mit Harrison Ford, fand (zurecht) wenig Zuspruch. Seine vielleicht beste Rolle hatte er in dem Thriller/Drama/Romanze „Wicker Park“, den das Publikum 2004 aber weitgehend ignorierte. In „Sin City“ spielte er gekonnt gegen sein Image, wobei ihm seine tiefe Stimme (im Original, nicht in der Synchro) sicher geholfen hat. Als nächstes geriet die mit Spannung erwartete Krimi-Verfilmung „The Black Dahlia“ zum Flop, auch wenn der Film nicht schlecht war und Hartnett seine Rolle gut spielte. „Lucky Number Slevin“, eine Neo Noir-artige Gangsterstory ohne die ganz große Klasse aber mit ordentlich Unterhaltungswert, fand Anklang beim Publikum (IMDB-Rating 7,8), war aber kein wirklicher Kassenerfolg.

In „30 Days of Night“, einem düsteren, gar nicht schlechten Horrorfilm, ging er nochmals einen Schritt raus aus der Softie/Womanizer-Ecke, in dem Independent-Drama „August“ gab er einen jungen Start-Up-Unternehmer. Allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit, der Film schaffte es nur in wenige Kinos. Mit der zunächst glänzend anlaufenden Karriere als Hollywood-Star der A-Kategorie ist es also nichts geworden -  nun hat man schon eine Weile nichts mehr von Hartnett gehört. Werfen wir also mal einen Blick auf das, was der gute Mann demnächst an den Start bringen wird…

Laut IMDB.com ist das zunächst „I come with the Rain“, ein international produzierter Thriller, in dem Hartnett als Privatdetektiv in Hongkong einen Milliardärssohn aufspüren soll. Klingt nach einem Film, der mir Spaß machen könnte, allerdings ist er bisher nur in Südkorea regulär angelaufen. Und irgendwie riecht das nach einem reinen DVD-Release für den Rest der Welt, was ja bekanntlich immer mit einem Makel behaftet ist – einfach weil ein Kinostart bedeutet, dass die Produzenten/der Verleih an einen „regulären“ Erfolg glauben.

Dann wäre da noch „Bunraku“, der u. a. als „a martial arts noir that mixes live action and animation“ beschrieben wird. Neben Hartnett sind Demi Moore und Woody Harrelson dabei, feste Starttermine stehen nicht fest. Das wiederum verwundert nicht, auch dieser Film ist eine bunte Co-Produktion ohne ein großes Studio oder einen großen multinationalen Vertrieb im Rücken, der das Marketing zentral vorantreiben würde.

Wie es aussieht hat Josh Hartnett keine Lust, sich noch einmal als zugkräftiger Teenie- bis Frauenschwarm herzugeben und in romantischen Komödien der Studios mitzuwirken. Ich kann daran nichts verwerfliches erkennen, bin aber trotzdem gespannt, ob er weiter auf den Independent-Pfaden wandeln wird, oder – sollte es mit dem ein oder anderen Publikumserfolg klappen – nicht doch noch einmal Lust verspürt, Brad Pitt und Kollegen Konkurrenz zu machen. Als Schauspieler ist Hartnett durchaus fähig, aber sein gutes Aussehen und das ewige Image des (reinen) Frauenschwarms könnten ihm – was die sehenswerten Rollen angeht – durchaus eher schaden.

Cronenberg verfilmt DeLillos „Cosmopolis“

Oktober 26, 2009 von edzehard

Quasi als Randnotiz vermeldet Variety in einem Bericht zum Filmfestival in Estoril, dass Regisseur David Cronenberg („A History of Violence“) an einer Verfilmung von Don DeLillos Roman „Cosmopolis“ arbeitet. Klingt interessant, wobei der Roman aus dem Jahr 2003 sicher nicht einfach auf die Leinwand zu bringen ist – er handelt von einem jungen Mann, einem Finanzgenie, das an einem ereignisreichen Tag mit seiner Stretchlimousine durch New York gefahren wird, allerlei Leute trifft und quasi nebenbei Milliarden verzockt. Laut IMDB soll der Film 2011 fertig sein, hoffentlich gibts bald (gute) Nachrichten von der Besetzung.

Neue Trailerz

Oktober 22, 2009 von edzehard

Normalerweise freue ich mich drüber, wenn eine neue Ausgabe des Filmdienst im meinem Briefkasten landet. Doch die letzten Ausgaben brachten vor allem Ernüchterung über das dürftige Kinoprogramm der kommenden Wochen. Dann müssen also die Appetizer, will sagen Trailer, erstmal ausreichen. Hier eine kleine Auswahl an aktuellen Exemplaren..

The Wolfman“ ist ein Remake des Horror-Klassikers von 1941. Nun sind Remakes von Klassikern meist nicht sonderlich gelungen, wobei mit Benicio del Toro auf jeden Fall ein guter Hauptdarsteller verpflichtet wurde. Die Produktion des Films lief wohl eher schleppend, „Wolfman“ war hierzulande schon für Mai diesen Jahres angekündigt, neuer (geplanter) Start ist Mitte Februar. Zum Trailer…

The Book of Eli“ beschert uns Denzel Washington in einem postapokalyptischen Thriller, Regie führen die Hughes-Brüder („Menace to Society“, „From Hell“). Der Trailer sieht ganz gut aus, wobei Filme, in denen es um die Rettung der Menschheit geht, natürlich selten ohne ordentlich Pathos auskommen. Kinostart ist ebenfalls im Februar. Zum Trailer…

Precious“ von Regisseur Lee Daniels („Shadowboxer“) kommt mit ordentlich Rückenwind der US-Filmfestivals – der Film gewann den Großen Preis der Jury beim Sundance 2009 und den Publikumspreis in Toronto (wo es auch nur einen Publikumspreis gibt). Die Story kreist um eine schwarze ‘teenage mum’, deren Leben eine neue Richtung bekommt, der Ruf als „Problemfilm“ ist da natürlich vorprogrammiert. Vielleicht auch deshalb steht der deutsche Start noch nicht fest. Der Film gilt aber als sicherer Oscar-Kandidat, und die finden meist den Weg in deutsche Kinos. Zum Trailer…

The Boondock Saints II – All Saints Day“ ist ein Sequel des in Deutschland als  „Der blutige Pfad Gottes“ bekannten Actionfilms. Ich kann mich erinnern, dass ich den Film unterhaltsam fand, aber in seiner Aussage äußerst problematisch. Zwei Brüder, die unter dem Banner einer vermeintlich göttlichen Selbstjustiz in Bostons Arbeitervierteln Leichenberge hinterlassen, werden von einem irren Polizisten (gespielt von Willem Dafoe) verfolgt, der den beiden aber eher hilft, als ihnen das Leben schwer macht. Kinostart ist noch unklar, es ist auch recht wahrscheinlich, dass der Film keine FSK 18-Freigabe erhält und mit SPIO-Prüfung auf den (DVD-)Markt geworfen wird. Zum Trailer…

From Paris with Love“ sieht nach einer grundsoliden Action- und Ballerorgie aus. US-Agenten kämpfen gegen Terroristen, mit dabei sind John Travolta und Jonathan Rhys Meyers („Match Point“). Könnte ein stumpfer Film werden, storytechnisch auch ein mieser Film, aber Actionfans werden ihn sich trotzdem sicher nicht entgehen lassen. Regie führt Pierre Morel, dessen Rache-Thriller „96 Hours“ mit Liam Neeson einer der Überraschungshits dieses Jahres war. Kinostart ist auch hier der kommende Februar. Zum Trailer…

Für den geneigten Leser…

Oktober 22, 2009 von edzehard

Der deutsche Filmkritiker Georg Seeßlen gehört zu den besten Deutschlands. Seine Rezensionen erscheinen in unterschiedlichen Zeitungen und Zeitschriften, etwa in der Zeit, dem Tagesspiegel oder auch in der taz. Außerdem schreibt Seeßlen auch Bücher, seine Werke über Stanley Kubrick oder Martin Scorsese sind äußerst lesenswert. Nun hat Seeßlen ein neues Buch veröffentlicht, in dem es ausschließlich um einen einzigen Film geht. „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über INGLOURIOUS BASTERDS“ ist für zehn Taler etwa bei Amazon zu haben, und ich freue mich drauf, wenn das gute Stück bei mir in der Post landet…

Werner Herzogs „Bad Lieutenant“ – Trailer online

Oktober 17, 2009 von edzehard

Die Nachricht, dass Werner Herzog („Aguirre“, „Mein liebster Feind“) eine Art Remake von Abel Ferraras „Bad Lieutenant“ gedreht hat, war schon eine Überraschung. Nun ist der Trailer des Films bei Apple am Start, und es sieht ganz so aus, als hätte Herzog nur das zentrale Thema übernommen – ein Polizist auf ganz bösen Abwegen. Statt Harvey Keitel ist nun Nic Cage in der Hauptrolle dabei, außerdem spielen Eva Mendes, Valk Kilmer und Xzibit mit. Sieht nach einem interessanten Film aus. Wobei ich mich frage, warum überhaupt der Titel von Ferraras Film benutzt wurde…

In Deutschland läuft der Film erst im Januar 2010 an.  Im selben Monat laufen übrigens an: Terry Gilliams „Kabinett des Dr. Parnassus“, der neue Film der Coens, „A Serious Man“ und Guy Ritchies „Sherlock Holmes“.

The Taking of Pelham 123

Oktober 12, 2009 von edzehard

Actionthriller sind durchaus das Metier von Regisseur Tony Scott, wie er etwa mit „Staatsfeind Nr. 1″ oder „Deja-vu“ bewiesen hat. Sein neuester Film fällt auch in dieses Genre und ist ein Remake eines gleichnamigen Films aus den 70ern, den ich allerdings nicht kenne. Die Story ist auf den ersten Blick simpel. Ein paar schwere Jungs entführen eine U-Bahn und fordern Lösegeld. Der grade diensthabende Zug-Koordinator wird wegen der permanenten Funkverbindung zum Vermittler.

John Travolta spielt Ryder, den Mastermind der Entführer, Denzel Washington gibt – mit ein paar Extrapfunden ausgestattet – den Bahn-Angestellten Garber. Soweit so gut? Nicht wirklich. Geiselnahmen sind nun wahrlich nichts neues im Kino, und sie laufen auch irgendwie immer gleich. Hin und wieder kann ein Film mit seinem Kniff überzeugen, wie zuletzt etwa „Inside Man“, aber „Pelham 123″ gehört leider nicht dazu. Die Story, das wird früh und wenig subtil angedeutet, hat noch ein paar Kniffe am Start. Einer davon ist Garbers Vergangenheit, ein anderer (Surprise!) die von Ryder.

Und so entwickelt sich die ohnehin nicht sehr spannende Story zu einem kleinen Ratespiel, wer da wohl eigentlich was im Sinn hat – ohne dass man allerdings genug Interesse für die Figuren aufbringt, um sich ernsthaft drum zu kümmern. Ryders Motive sind recht banal, seine Handlungen teils widersinnig, und Garber ist zwar ein netter Kerl und kein klassischer Held, aber auch nicht wirklich spannend. Die Unterhaltungen der beiden sind nicht schlecht geschrieben, aber viel zu künstlich.

Einzig James Gandolfini (besser bekannt als Tony Soprano) als New Yorker Bürgermeister hat mir gut gefallen, wohl auch weil seine Rolle (hat seinen Job satt und genug von Politik und Wahlkampf) ein wenig Originalität mitbringt. Im Gegensatz z.B. zu der von John Turturro, der als Verhandlungsspezialist schauspielerischen Dienst nach Vorschrift macht – mehr wird nicht verlangt. Blass bleiben auch die Geiseln, obwohl Zeit gewesen wäre, etwas nennenswertes aus ein paar Figuren zu machen.

Handwerklich und optisch gibt es wie meistens bei Tony Scott am Film nichts auszusetzen, und so dauert es ein Weilchen, bis man auf die Uhr guckt und sich fragt, wohin das Ganze eigentlich führen soll. „The Taking of Pelham 123″ hat ein paar gute Ansätze und einige spannende Momente zu bieten, verfehlt aber unter dem Strich das Klassenziel. Die Charaktere reißen nicht mit, die Story auch nicht wirklich, und es gibt nicht genug Action, um das vergessen zu machen. Zur Vertreibung von Langeweile und auch bei Schlaflosigkeit ist der Film eine Alternative, aber für knapp zwei Stunden Kino ist das zuwenig.

6/10